Johannes Wahl

Wenn es denn

wahr wäre: Gottes Wort, ein großer Liebesbrief an mich! – wie gehe ich dann mit

diesem Brief um? Nüchtern und sachlich wie ein Amtsschreiben einer staatlichen

Behörde? Mitleidig und bekümmert wie eine Beileidskarte? Vergnügt und

überfröhlich wie ein Urlaubsgruß? Verdrießlich und gereizt wie eine Rechnung?

 

Liebesbriefe

bringen mich zum Träumen. Wie viele Entwürfe sind wohl zerknüllt in den

Papierkorb gewandert? Welche Tränen wurden darauf vergossen, welche Hoffnung

darauf gesetzt? In welchem Tempo pocht das Herz dahinter? Welche Zärtlichkeit

liegt auf jenen Tintenstrichen! Warum ausgerechnet ich? Wie kann jemand es nur

wagen? Und welche Liebe treibt die Worte aufs Papier? – Zwar wechseln die

Hände, mit denen der Brief geschrieben wurde. Doch der Geist ist in allem

derselbe. Also erhebe ich mich zu den Händen, um den Geist zu atmen.

 

Leider landet

der Liebesbrief Gottes irgendwo - nur nicht bei mir. Meine Aufgabe: Diesen

Liebesbrief aus dem Müll, aus der Ecke hervorzuholen und zu entknittern. Ich

bin doch gemeint! Also versuche ich, ihn zu lesen, ihn zu verstehen. Was ich

dabei entdecke, das versuche ich verständlich zu machen und weiterzugeben. Bis

zu dem Punkt hin, dass ich die Handschrift Gottes nicht nur auf dem Papier der

Heiligen Schriften entdecken kann, sondern die ganze Welt zum lesbaren Brief an

mich wird.

E-Mail
wahl.johannes@gmail.com

Beiträge von Johannes Wahl

Schüler Gottes

Das Christentum unserer Tage befindet sich in der Defensive: Die Welt wimmelt von Agnostikern. Selbst wenn es Gott gibt, so bleibt er doch verborgen. Niemand hat ihn gesehen. Er ist wie der Yeti. Eine nette Theorie, aber kennen, gar wissen? Wer mag das behaupten. Und selbst wenn: Welches Recht hat das Christentum zu behaupten, es würde mehr von Gott wissen? «Wir sitzen doch alle im gleichen Boot. Um Gott zu erkennen, brauche ich niemand anderen. Wir alle sind Schüler Gottes.» - Doch so ist es nicht. Jesus sagt uns in drei Versen das Warum.

Mission manifest prerelease

Einmal schickte Jesus seine Jünger unter Testbedingungen aus, um in seinem Namen zu wirken und zu predigen. Es war noch nicht die große Mission, noch nicht der große Wurf, noch nicht das, was man später Apostolat nennen darf. Es war das erste Hineintasten in die Atmosphäre der Zukunft, ein Vorgeschmack auf das, was dann später mit vollem Ernst und voller Wucht die jungen Apostel erwartete. Auch dem Jünger Jesu heute kann dieser Vorgeschmack nützlich sein, um sich hineinzufühlen, was er erwarten darf auf seiner Mission in seinen Tagen.

Zum Seitenanfang