Eckhard Bieger

Ich schreibe für explizit.net, weil es eine katholische Präsenz im Internet geben muss, die nicht Kirchenberichterstattung ist, weil die katholische Tradition die Philosophie und damit das Argument schätzt, weil eine weltweite Kirche zu wenig im Bewusstsein in Deutschland präsent ist, weil es Vieles gibt, was man in den Medien nicht findet, jedoch notwendig ist, um Vorgänge nicht nur von ihrer Oberfläche her zu verstehen. explizit.net will jungen Leuten helfen, als Journalisten im Internet ihr Auskommen zu finden.

Ich bin kurz vor dem II. Weltkrieg geboren, seit 1959 Mitglied des Jesuitenordens und habe mich mein Berufsleben lang mit Medien beschäftigt – bis 2003 mit dem Fernsehen und ab dann mit kath.de.

Beiträge von Eckhard Bieger

Die große Flüchtlings-Desinformation

Millionen Flüchtlinge sollen Deutsche werden. Sie sollen nicht nur die Sprache lernen und die freiheitlich-demokratische Grundordnung internalisieren, sondern auch die deutsche Leitkultur übernehmen. Nur weil in Syrien Krieg ist und der Irakkrieg das Land destabilisiert hat? Dürfen wir das überhaupt, den Kriegsländern ihre Jugend nehmen, die einmal dringend für den Aufbau gebraucht wird? Können sich Menschen in die deutsche Leitkultur einfühlen, wenn sie mit ihren Herzen in Ihrem Herkunftsland beheimatet bleiben. Die Stare lassen wir doch auch wieder ziehen. Es ist auch ein ethisches Problem. Außerdem fließt mit der mangelnden Unterscheidung zwischen Flüchtlingen den Einwanderern unnötig viel Wasser auf die Mühlen der AFD.

Die große AfD-Wahlhilfe

Wie verhilft man einer Partei, deren Erfolg man eigentlich nicht will, erst richtig zum Erfolg? Eine geniale Medienstrategie und die anderen Parteien bringen auch den letzten Wähler auf die Idee, diese Partie zu wählen. Die Wahlwerbung spiegelt nur, was Medien und die anderen Parteien der AfD vorwerfen. Wer ist für den Erfolg verantwortlich? In Baden Württemberg 15,1 % in Mecklenburg-Vorpommern 20,8 %, in Berlin dann nur 14,2 %. Wie kann man die Dynamik erklären?

Doch Gülen?

Die deutschen Medien sind sich einig: Erdogan hat den Putsch genutzt, um das, was er schon immer vorhatte, zu erreichen: unbeschränkter Herrscher der Türkei zu bleiben und dafür alle seine Gegner kaltzustellen. Seine Behauptung, der Prediger Gülen habe mit seinen Anhängern den Putsch betrieben, wird nicht intensiv genug geprüft. Man hofft eher, dass die Auslieferung des Predigers durch die USA nicht die Genehmigung eines Richters findet, weil das Erdogan noch mehr stärken würde. Aber ist es so einfach? Wenn Fethullah Gülen mehr ist als ein Organisator eines weltweiten Schulsystems, sondern die Macht in der Türkei übernehmen will? Es geht hier nicht darum, den türkischen Präsidenten zu verteidigen, auch nicht, Gülen anzuklagen. Es geht um die Berichterstattung, die in vielen Medien trotz vieler ungeklärter Tatbestände die Wirklichkeit allzu glatt bügelt. Journalismus ist kein Moralunterricht, sondern Vermittlung von Tatsachen. Man wird sich wohl eher auf eine lange Auseinandersetzung einstellen müssen. Die Aufklärung des Putsches ist nicht abgeschlossen, sie wird aber ein anderes Bild ergeben als die Medien bisher gemalt haben. Dazu drei Fragepunkte:

Erdogans Cäsarenwahn:

Die Situation in der Türkei spitzt sich immer mehr zu. Im Mittelpunkt steht ein Mann, der vielen Hoffnungen gemacht hat, als er 2003 eine korrupte Regierung ablöste, die kein Verständnis für religiöse Gefühle hatte. Viele dieser Hoffnungen hat er auch realisiert. Die Türkei hat nicht nur ein wirtschaftliches Wachstum erzielt, es gibt auch Religionsfreiheit und, das war einmal, eine immer größere Nähe zu den Werten der EU. Da es keine politischen Konkurrenten gibt, muss die Angst in ihm selbst liegen. Das Phänomen hat schon Tacitus beschrieben. Er nannte es in Bezug auf römische Kaiser „Fürstenwahnsinn“. Gustav Freytag und der Historiker Ludwig Quidde prägten dann den Begriff „Cäsarenwahn“. Das Foto erklärt es bereits. Weiteres spricht für diese Erklärung:

Gegen den Brexit: Je jünger und je schottischer

Ein Kommentar zum #Brexit und den Reaktionen in Deutschland

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Bevor falsche politische Schlussfolgerungen gezogen werden, sollte man sich die Wahlanalyse ansehen. Es ist ganz einfach: Nur die Bevölkerungsgruppe über 65 Jahre hat mehrheitlich für den Austritt aus der EU gestimmt. Die Jungen sind viel europäischer und wissen, dass ihre Zukunft mit der EU viel mehr Chancen bietet. Nur 20% der 18-24-Jährigen stimmten für das Verlassen der EU. Europa muss den jungen Briten die Tür offen halten.

Konflikte brauchen Werte

Es gibt viel Unzufriedenheit im Lande. Entsprechende politische Gruppierungen profitieren davon. Studenten sind mit dem modularisierten Studium nicht zufrieden, Arbeitnehmer stöhnen über die wachsende Belastung, weil an Personal gespart wird, in der katholischen Kirche ist man prinzipiell unzufrieden. Der Unmut wird anders als bei den Achtundsechzigern nicht aggressiv ausgetragen. Man bleibt einfach weg, ob vom Gottesdienst, bei Wahlen zu den Gremien oder beim Katholikentag.

Herz Jesu Verehrung und die Theologie der Barmherzigkeit

Wenn eine Herz-Jesu-Kirche in einer Straße steht, dann ist das mit Sicherheit ein von Katholiken erbautes Haus. Herz Jesu Statuen finden sich in vielen Kirchen, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut wurden, auch wenn sie Maria oder dem Hl. Josef geweiht sind. Katholische Orden, die mit dem Aufbruch des Katholizismus Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet wurden, tragen häufig "Herz Jesu" in ihrem Namen. Es gibt eigene Lieder und damit verbunden eine besondere Prägung der Frömmigkeit. Diese Form hat sich in denletztenJahren verflüchtigt, gewinnt aber mit der Theologie der Barmherzig eine neue Tiefe.

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