Archivfoto: Christian Schnaubelt / kath.de

Mediensonntag: Kardinal Marx: „Der Mensch muss im Mittelpunkt bleiben“

Am heutigen 13. September begeht die katholische Kirche in Deutschland den 60. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel. Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, fordert im Hinblick auf das Thema Künstliche Intelligenz: „Der Mensch muss im Mittelpunkt bleiben.“

Anlässlich des Mediensonntags greift Kardinal Reinhard Marx (Erzbischof von München und Freising), Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, die Botschaft des Heiligen Vaters zum 60. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel auf und erklärte:

„Künstliche Intelligenz (KI) verändert unsere Gesellschaft in einem unvorstellbaren Tempo: wie wir arbeiten, wie wir miteinander kommunizieren und ganz besonders, wie wir uns informieren. Und sie beeinflusst zunehmend, welche Informationen uns erreichen. Im medialen Raum prägen diese Informationen erheblich unsere Wahrnehmung der Welt. Nicht nur deshalb wird der wachsende Einfluss von KI von großer Sorge begleitet. Sie eröffnet aber auch große Chancen. KI kann Menschen den Zugang zu Wissen erleichtern und aufwendige Tätigkeiten vereinfachen. Sie kann auch Medienschaffende bei ihrer Arbeit unterstützen."

Enzyklika "Magnifica humanitas" von Papst Leo XIV. 

Der Erzbichof von München und Freising führte weiterhin in der Mitteilung der Deutschen Bischofskonferenz aus: "Papst Leo XIV. hat diese Fragen in seiner Botschaft zum diesjährigen Welttag der sozialen Kommunikationsmittel und in seiner wegweisenden Enzyklika Magnifica humanitas mit großer Dringlichkeit aufgegriffen. Seine Haltung ist dabei weder von Technikfeindlichkeit noch von Technikbegeisterung geprägt. Es geht um die zentrale Frage nach Gestaltung. Nicht alles, was technisch möglich ist, ist deshalb schon gesellschaftlich wünschenswert. Und nicht alles, was effizienter ist, macht unser Leben besser. KI muss dem Menschen dienen – nicht der Mensch der KI. Der Mensch muss Subjekt des technischen Fortschritts bleiben. Er trägt Verantwortung. Er hat ein Gewissen und formt lebenslang seine Urteilskraft. Menschen leben in Beziehungen, gestalten und sind kreativ. Und ein Mensch kann Verantwortung für das übernehmen, was er sagt und tut. Eine von Menschen gemachte Maschine kann das unterstützen – diese Hilfe sollten wir uns zunutze machen. Sie kann uns die Verantwortung aber nicht abnehmen."

Journalismus stärken

Kardinal Marx verwies anlässlich des heutigen Mediensonntag insbesondere auf die Bedeutung der Medien: Journalismus "lebt von Recherche, Erfahrung und Urteilskraft. Er lebt von Menschen, die hinterfragen, vor Ort gehen, Quellen prüfen und Verantwortung für ihre Veröffentlichungen übernehmen. In einer demokratischen Gesellschaft ist es unverzichtbar, dass dieser Prozess frei und transparent abläuft. Es darf nicht gleichgültig sein, ob ein Text, ein Bild oder ein Musikstück von einem Menschen geschaffen oder von einer Maschine erzeugt wurde. Es braucht Transparenz darüber, wo KI-generierte Inhalte eingesetzt und auf welcher Grundlage sie erzeugt werden."

Medienkompetenz als Schlüsselkompetenz der Demokratie

Zudem komme der Förderung der Medienkompetenz beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz eine besondere Rolle zu, betonte Kardinal Marx weiter. "Deshalb müssen Schulen und andere Bildungseinrichtungen, Politik, Medien, Wissenschaft, Kirchen und Zivilgesellschaft gemeinsam daran arbeiten, diese Kompetenz zu stärken", denn "Medienkompetenz wird damit zu einer Schlüsselkompetenz unserer Demokratie."

Schutz des geistigen Eigentums

Ferner verwies der Vorsitzende der Publizistischen Kommunikation der Deutschen Bischofskonferenz darauf, dass "der Einsatz von KI auch Fragen der Gerechtigkeit aufwirft: Menschliche Kreativität und menschliche Arbeit haben nicht nur einen intrinsischen, sondern auch einen ökonomischen Wert. (...) er mit ihnen Gewinn erzielt, muss diesen Wert anerkennen und diejenigen daran teilhaben lassen, die mit ihrer Arbeit dazu beigetragen haben. Journalistinnen und Journalisten, Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstler müssen wirksam davor geschützt werden, dass ihre Werke ohne angemessene Beteiligung zur Ressource für die Geschäftsmodelle großer Technologieunternehmen werden. Dafür braucht es faire Regeln und, wo nötig, politische und gesetzliche Antworten. Die Gestaltung der digitalen Welt darf nicht allein denjenigen überlassen werden, die über die größte technologische und wirtschaftliche Macht verfügen."

Einsatz von KI: Nicht das ob, sondern das wie ist die Frage

"Die entscheidende Frage lautet nicht, ob wir KI einsetzen wollen. Sie lautet: Welche Gesellschaft wollen und können wir auch mit dem Einsatz von KI gestalten? Wenn der Mensch im Mittelpunkt bleibt, wenn wir Verantwortung nicht an Maschinen delegieren und wenn technischer Fortschritt von sozialem und moralischem Fortschritt begleitet wird, kann KI ein wertvolles Werkzeug sein. Und auch künftig ein immer besseres Werkzeug des Menschen werden, das neuen gesellschaftlichen Fortschritt mit schafft"

Lesetipp 1: 
Die Botschaft von Papst Leo XIV. und die Worte von Kardinal Marx zum Mediensonntag 2026, der in Deutschland heute begangen wird, können hier nachgelesen werden: 

https://www.dbk.de/themen/welttag-der-sozialen-kommunikationsmittel-mediensonntag/termine-und-botschaften 

Lesetipp 2:
Kommentar des Autors zur Bedeutung von Medien bei den Wahlen 2026:

https://explizit.net/politik/artikel/kommentar-zu-den-wahlen-2026-die-rolle-der-medien-kritisch-hinterfragen/  

Christian Schnaubelt
(Chefredakteur und Herausgeber von explizit.net und kath.de)


Kategorie: Medien

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