Pokal des Uefa Nations Wettbewerbs - Foto: dpa / pciture-alliance

UEFA Nations League: Noch mehr Kommerz

Noch mehr Länderspiele mit der UEFA – Nations League. Was mal Freundschaftsspiele aus Freude am Fußball waren, sind jetzt Testspiele. Es gibt im Fernsehen mehr Fußball, damit mehr Geld und das Spielerische, das Herz, wird dem Fußball ausgetrieben. Simon Schwamborn gibt den Fans in diesem Kommentar eine Stimme.

Neuer Wettbewerb - UEFA Nations League

 „Endlich mal kein Losglück, Gott sei Dank“ – so die ironische Reaktion von Bundestrainer Joachim Löw nach der Auslosung der UEFA Nations League. Der was?? Ehrlich gesagt musste ich erst einmal stutzen als ich die Schlagzeilen las. Von einer Nations-League hatte ich noch nie etwas gehört. Und meine Recherchen verwirrten mich noch mehr: es gibt da wohl vier Ligen, dazu noch vier Untergruppen und irgendwie spielen sie nach bestimmten Regeln einen Sieger aus. Egal! Was mich aber aufhorchen ließ:  Dieses neue Format ersetzt die bislang üblichen Freundschaftsspiele.

Aus Freundschaft wird Test

An dieser Stelle entlarvt die Sprache so einiges. Denn die Bezeichnung „Freundschaftsspiel“ meint ja nicht nur das Aufeinandertreffen von zwei konkurrierenden Mannschaften. Sie meint auch viel mehr als das heute gerne benutzte vermeintliche Synonym „Testspiel“. Sie sagt wir spielen Fußball, weil es uns Freude macht und wir Freunde sind.

Schon im Sockel der Victoria-Statue, verliehen von 1903-1944, der Vorgängerin der Meisterschale, war eingraviert: „Elf Freunde müsst ihr sein, wenn ihr Siege wollt erringen“. Doch bei einem Freundschaftsspiel  ist eben nicht nur mein Mitspieler/meine Mitspielerin mein/e Freund/in, sondern auch der Gegner/die Gegnerin. Was hat nicht der Sport, gerade nach großen Katastrophen wie z.B. dem 2. Weltkrieg, alles zur Völkerverständigung beigetragen. Soll das alles vorbei sein?

Oder einfach nur ehrlich?

Vielleicht ist es aber auch alles nur ein Weg zu mehr Ehrlichkeit. Denn im Spitzensport geht es schon lange mehr um Geld als um Freundschaft, mehr um Kommerz als um Freude. An dieser Stelle lasse ich mir gerne das Etikett des „Kulturpessimisten“ anstecken. Doch FIFA-Intrigen, zweifelhafte WM-Vergaben, unvorstellbare Ablösesummen…. all das passt nicht zu dem hohen Wert der Freundschaft. Auch die aktuelle Diskussion über volle Spielpläne, mehr Spiele für die Nationalmannschaft oder die Grenzen der Belastbarkeit, gehen leider völlig an meinem Anliegen (und hoffentlich vieler anderer Fans) vorbei.

Versprechen  gebrochen

Nach den Pfiffen gegen Helene Fischer beim DFB-Pokalfinale gab es großspurige Erklärungen der Funktionäre: Wir nehmen die Sorgen der Fans wegen der steigenden Kommerzialisierung des Fußballs ernst. Pustekuchen!

Der Bundestrainer findet die Nations League übrigens „positiv“. Tja, vielleicht ist er froh, nicht mehr gegen Brasilien oder Argentinien spielen zu müssen. Was für ein (Los-) Glück!

Ein Kommentar von Simon Schwamborn

Foto: dpa / picture-alliance


Kategorie: Wirtschaft

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