Eine Artikel im Rahmen des Monatsthemas "Synodale Kirche" der Portale explzit.net und kath.de.
Frage 1: Frau Lagoda am 31. Januar endete die sechste und letzte Synodalversammlung des Synodalen Weges. Was ergaben die Evaluation und die Beratungen in den letzten drei Tagen in Stuttgart? Und wie lautet ihr persönliches Fazit als Mitglied des Gremiums?
Mein Weg begann schon 2018. Im Dezember 2018 rief die Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) mit ihrer Aktion #MachtLichtAn zur Aufklärung der Missbrauchsfälle und der Erneuerung der Kirche auf. Ein Jah später, im Advent 2019 startete der Synodale Weg mit dem Ziel, Reformen in den Bereichen Macht und Gewaltenteilung, Sexualmoral, Formen priesterlichen Lebens und Frauendiskriminierung herbeizuführen.
Sechs Jahre lang haben wir diskutiert, gestritten, dabei immer zu wenig Zeit gehabt und doch gemeinsam fünfzehn gute Grund- und Handlungstexte zu allen Themen beschlossen. Das der Grundtext des Forums Sexuallehre durch das Abstimmungsverhalten der Bischöfe nicht verabschiedet werden konnte, brachte den Synodalen Weg an den Rand des Scheiterns. Trotzdem ist dieser Text in der Welt und er wird beachtet.
Im Monitoring wurde klar, dass 23 von 27 Bistümern sich auf den Weg machen die beschlossenen Texte, in unterschiedlicher Gestaltung und Tempo umzusetzen. Es ist für mich unverständlich, dass das Monitoring nicht namentlich erfolgte. So ist eine Nachvollziehbarkeit über den Entwicklungsstand nicht möglich.Es fehlt die Transparenz, um die Umsetzung vor Ort einzufordern.
Wichtig ist mir, dass die systemischen Ursachen unseres Dilemmas von Missbrauch, sexualisierter und spiritueller Gewalt und deren Vertuschung nie mehr tabuisiert werden können und Schutzkonzepte und Schutzräume insbesondere für Frauen, Kinder, Jugendliche und queere Personen geschaffen werden.
Dass das Kirchenrecht Bestand hat und nur durch eine Selbstverpflichtung der Bischöfe die Umsetzung der Beschlüsse erfolgen kann, war allen von Anfang an klar, aber kleinste Schritte sind möglich geworden, wie z.B. die Taufe durch Lai*innen oder die Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts.
Andere Ziele wie z.B. die Teilhabe von Frauen an allen Diensten und Ämtern, werden noch Zeit brauchen. Wir haben gezeigt, dass der Synodale Weg kein deutscher Sonderweg ist, sondern weltweit gedacht und beachtet wird. Ausländische Beobachter*innen haben uns das bestätigt und uns in unserem Weg bestärkt.
Für die finale Entwicklung muss der Synodale Weg fortgeführt werden. Seine Fortsetzung soll er in einer Synodalen Konferenz finden. Die Voraussetzungen dazu können die Bischöfe in ihrer Frühjahrsvollversammlung durch die Annahme der Satzung schaffen. Danach bedarf es noch der Kenntnisnahme und Zustimmung Roms.
Frage 2: Sie engagieren sich im kfd-Bundesvorstand Wie lautet dessen Fazit zum Synodalen Weg. Ist das Glas halb voll oder halb leer?
Der Synodale Weg war kein gerader Weg, er hatte steinige Passagen und wirbelte, wie nicht anders zu erwarten war, eine Menge Staub auf. Der Weg ist noch nicht an seinem Ende angekommen.
Die Umsetzung der beschlossenen Grund-und Handlungstexte muss jetzt zeitnah im Kirchenalltag umgesetzt werden und alle verantwortlich Beteiligten müssen sie zulassen. Die kfd wird dies auf Bundesebene, sowie in den Diözesanverbänden beobachten und ggf. einfordern.
Hinter die das bereits Erreichte gehen wir kfd-Frauen nicht mehr zurück. Das gilt deutschlandweit für alle Bistümer. Insofern ist noch viel Platz im Glas.
Frage 3: In der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung haben sich 96 Prozent für Reformen in der katholischen Kirche ausgesprochen. Inwieweit hat der Synodale Weg Rückenwind oder Gegenwind für Reformen in Deutschland gebracht? Und was erwarten Sie an Reaktionen aus dem Vatikan?
Positiv gesehen haben wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht.
Aber wie nicht anders zu erwarten, haben sich Ewiggestrige dagegen gestellt. Rückenwind kam von den Reformwilligen innerhalb dieser Weggemeinschaft. Eine kleine Zahl machte den Gegenwind aus.
Der Synodale Weg hat Tabus in der Kirche gebrochen. Er hat den Missbrauch ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht und dessen systemische Ursachen konkret benannt. In langen, oft schwierigen Diskussionen wurden gemeinsam Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt und erarbeitet, von denen einige direkt in den Bistümern und Gemeinden umgesetzt werden können. Andere Schwerpunkte aber wegen ihrer weltkirchlichen Bedeutung müssen in Rom entschieden werden.
Die Abschlusserklärung:“Für eine Welt, die Zukunft hat - mit einer Kirche die Hoffnung macht“ fasst es gut zusammen, was durch den Synodalen Weg bereits angestoßen wurde. Sie verschweigt aber auch nicht, wo weiterhin Handlungsbedarf, besteht.
Hier blicke ich besonders optimistisch auf die Synodalkonferenz, die den Synodalen Weg in Deutschland weiterentwickeln und in den Köpfen der Menschen verstetigen wird.
Das Interview führte Christian Schnaubelt, Chefredakteur und Herausgeber der Portale explizit.net und kath.de, der alle Synodalversammlungen des Synodalen Weges als Journalist begleitet hat.
Hinweis: Weitere Artikel zum Thema "Synodale Kirche" erscheinen hier: https://explizit.net/monatsthema/.
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