Foto: KI-Generiert mit Adobe Stock

"Magnifica Humanitas": Papst Leo's Enzyklika zu Künstlicher Intelligenz

Die Enzyklika "Magnifica humanitas – über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" wurde von Papst Leo XIV. am 15. Mai unterzeichnet und am Pfingstmontag (25. Mai) - mit Ansprache des Heiligen Vaters - der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Portale explizit.net und kath.de dokumentieren die Vorstellung des päpstlichen Lehrschreibens im Vatikan.

-ein Beitrag im Rahmen des Monatsthemas Digitalisierung und Künstliche Intelligenz der Portale explizit.net und kath.de-

Die Präsentation der Enzyklika "Magnifica Humanitas" fand am Pfingstmontag, 25. Mai in der Aula des Vatikans statt. Erstmals nahm an der Vorstellung eines päpstlichen Lehrscheibens ein Pontifex persönlich teil und richtete auch die Worte an die Vertreter:innen aus Kurie, Diplomatie und Medien. 

Im Vorfeld der Ansprache von Papst Leo XIV. kündigte in der Synodenaula Christopher Olah (Mitbegründer KI-Unternehmens Anthropic aus den USA) "eine Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen Entwicklern und moralischen Instanzen wie dem Vatikan an". Wie Vatican News berichtete hat Olah auch an der Erstellung der Enzyklika mitgewirkt (https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2026-05/enzyklika-magnifica-humanitas-parolin-fernandez-czerny-rowlands.html).

Zudem gabe zwei Theologinnen Statements an: Anna Rowlands aus Großbritannien "ordnete die Enzyklika als eine neue Synthese der kirchlichen Soziallehre ein" und Leocadie Lushombo aus dem Kongo formulierte "eine deutliche Warnung vor den Schattenseiten der Technologie für den Globalen Süden."

Aus der vatikanischen Kurie sprachen bei der Vorstellung der Enzyklika "Magnifica Humanitas" Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Dieser "warnte vor den weitreichenden gesellschaftlichen Konsequenzen einer ungesteuerten technologischen Entwicklung". Glaubenspräfekt Kardinal Víctor Manuel Fernández "hob den theologischen Kern des Sozialdokuments hervor" und der Präfekt des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen Kardinal Michael Czerny, "würdigte KI als ein bemerkenswertes Produkt der menschlichen Erfindungskraft und als Ausdruck der Teilhabe an der göttlichen Kreativität."

Ansprache von Papst Leo XIV. am 25. Mai 2026 im Vatikan
(übersetzt aus dem Englischen und redaktionell zusammengefasst) 

Papst Leo XIV. dankte den Anwesenden und den Organisatoren der Vorstellung der Enzyklika Magnifica Humanitas“. Der Heilige Vater beschrieb die künstliche Intelligenz als eine epochale Umwälzung, vergleichbar mit der industriellen Transformation, auf die Leo XIII. mit „Rerum Novarum“ reagierte. Die Kirche dürfe auch heute nicht abseitsstehen, weil KI Entscheidungen beeinflusse, menschliches Zusammenleben präge und sogar die Kriegsführung verändere.

Aus dem Zuhören auf Wissenschaftler, politische Verantwortliche, Eltern, Lehrkräfte und besonders auf Menschen ohne Stimme sei die Überzeugung gewachsen, dass künstliche Intelligenz „entwaffnet“ werden müsse: Sie solle von Logiken der Herrschaft, Ausgrenzung und des Todes befreit werden. Wie andere mächtige Technologien müsse sie dem Gemeinwohl dienen und unter Gewissen, Verantwortung und öffentlicher Kontrolle stehen.

Der Papst betonte, dass Entwaffnung allein nicht genügt. Es müsse auch gebaut werden: Vertrauen, Hoffnung, gerechte Strukturen und eine solidarische Zukunft. Er verweist auf seine Erfahrungen in Peru nach Überschwemmungen sowie auf den Propheten Nehemia als Bild dafür, dass Wiederaufbau gemeinschaftlich geschieht. KI könne nur dann dem Menschen dienen, wenn sie in eine umfassende Vision menschlicher Würde eingebettet werde.

Wahrer Fortschritt betreffe jeden Menschen und den ganzen Menschen. Niemand dürfe an den Rand der digitalen Transformation gedrängt oder auf Daten, Leistung oder Produktivität reduziert werden. Die Kirche wolle sich dem Gespräch über KI demütig und offen anschließen, nicht mit technischen Lösungen, sondern mit einer Weisheit über den Menschen: Jede Person sei einzigartig, frei, vernunftbegabt, gewissensfähig und zur Liebe berufen.

Am Ende rief Papst Leo XIV. dazu auf, wachsam zu bleiben, als „Handwerker der Hoffnung“ weiterzubauen und gemeinsam an einer menschlicheren und geschwisterlicheren Gesellschaft zu arbeiten. Er stellt dieses Anliegen unter den Schutz Mariens und erteilt seinen apostolischen Segen.

Die Ansprache des Heiligen Vaters dokumentiert der Heilige Stuhl in englischer Sprache: https://www.vatican.va/content/leo-xiv/en/speeches/2026/may/documents/20260525-presentazione-enciclica.html.

Die gesamte Präsentation der Enzyklika am 25. Mai im Vatikan kann bei Vatican News - mit deutschsprachigen Kommentar - angeschaut werden: https://www.youtube.com/watch?v=s97Pc0FUPsg. 

Unterzeichnung bereits am 15. Mai 2026 im Vatikan:

Zur Unterzeichnung der Enzyklika am 15. Mai steht zudem ein Video bei Vatican News zur Verfügung: https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/events/event.dir.html/content/vaticanevents/de/2026/5/25/enciclica-magnifica-humanitas.html.  

Mit dem Datum der Unterzeichnung sowie der Enzyklika "Magnifica Humanitas" greift Papst Leo XIV. die Tradition seines Vorgängers Leo XIII. auf, der als "Begründer der modernen katholischen Soziallehre" (Vatican News) angesehen wird und die Sozialenzyklika „Rerum novarum" (englische Fassung) verfasst hat. 

Hinweise:

Die Enzyklika "Magnifica Humanitas" ist auf der Vatikan-Website verfügbar und kann auf der Website der Deutschen Bischofskonferenz als Broschüre in deutscher Sprache vorbestellt werden. Zudem hat die DBK eine Sonderseite mit weiteren Informationen eingerichtet. 

Christian Schnaubelt
(Chefredakteur und Herausgeber der Portale explizit.net und kath.de)

Hinweis: Die Portale explizit.net und kath.de werden in mehreren Beiträgen über die Themen Digitalisierung und Künstliche Intellgenz im Mai / Juni 2026 hier berichten. 


Kategorie: Monatsthema Medien

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Zum Seitenanfang