Frage 1: Herr Andres, der 104. Deutsche Katholikentag ist beendet. Welches Fazit zieht der BDKJ-Bundesverband?
Andres: Als BDKJ ziehen wir ein positives Fazit. Wir haben den Katholik*innentag als einen Ort erlebt, bei dem wir und die Jugendverbände gut über die eigene Arbeit informieren konnten und die Anliegen und Sichtweisen junger Menschen gut in Gesprächen an Entscheidungsträger*innen aus Politik und Kirche transportieren konnten. Ebenso haben wir es geschafft mit unseren eigenen Veranstaltungen Themen zu setzen, die für junge Menschen wichtig sind. Hierdurch können wir einen Beitrag für gesellschaftliche Debatten leisten.
Frage 2: Die Veranstalter haben betont, dass der Katholikentag 2026 politische Zeichen in Kirche und Gesellschaft gesetzt hat. Welche waren dies aus Ihrer Sicht und gibt es aus Ihrer Sicht auch Themen, die in Würzburg zu kurz gekommen sind?
Andres: Der Katholik*innentag hat für uns vor allem gezeigt, dass auch in Zeiten, in der im politischen Diskurs der Ton zunehmend rauer wird und oft Diskussionen kaum mehr möglich sind, eben doch Menschen mit unterschiedlichen Positionen zusammenkommen und gemeinsam um gute Wege für die Gegenwart und Zukunft ringen können. Aus unserer Sicht ist der Katholik*innentag ein wichtiger Ort, aus den Impulse in aktuelle Debatten in Politik, Gesellschaft und Kirche strahlen können. Wir würden uns allerdings wünschen, hier noch aktueller zu werden und auch mehr Diskurse aus der Popkultur und dem digitalen Raum aufzugreifen.
Frage 3: Der BDKJ hat im Rahmen des Katholikentages den Countdown zur "72-Stunden-Aktion 2027" gestartet. Welche (kirchen-) politischen Zeichen möchten der BDKJ und seine Jugendverbände damit setzen?
Andres: Die 72-Stunden-Aktion zeigt eindrücklich, dass junge Menschen bereit sind, sich für andere zu engagieren und so die Welt ein Stück besser zu machen. Die Engagierten in den Jugendverbänden tun dies nicht nur im Rahmen der 72-Stunden-Aktion, sondern alltäglich in ihrem verbandlichen Alltag: in Ferienfreizeiten, in Zeltlagern, in Gruppenstunden, in Versammlungen und in allem, was noch dazu gehört. Sie setzen sich immer wieder für Belange junger Menschen in Kirche, Politik und Gesellschaft ein.
Für uns gehört dieses (kirchen-) politische Engagement zum Kern des Christ*in sein dazu. Als Christ*in müssen wir uns gerade für die schwächeren in unserer Gesellschaft und eine Lebenswerte Zukunft stark machen, auch wenn wir dadurch in den Augen von politischen und kirchlichen Entscheidungsträger*innen unbequem wirken.
Und mit dieser Einschätzung sind wir nicht allein. Dies wurde auch an vielen anderen Stellen des Katholik*innentags bei Veranstaltungen und Gesprächen deutlich. Die 72-Stunden-Aktion richtet sich dabei nicht nur an Jugendverbandler*innen, sondern auch Messdiener*innen, Schulklassen, Sportvereine und alle anderen Formen der Zusammenschlüssen von jungen Menschen sind herzlich willkommen.
Zusatzfrage: Beim Katholikentag in Würzburg wurde der Ruf nach einem Ökumenischen Kirchentag wieder lauter. Wie stehen Sie dazu?
Andres: Wir würden es begrüßen, wenn auch wieder mit der Planung eines Ökumenischen Kirchentages gestartet werden wird. Wenn wir als Christ*innen uns in die Gesellschaft und Politik einbringen wollen, können wir das wirksamer gemeinsam tun. Bei vielen Themen sind auch unsere Positionen ähnlich und bei den anderen lohnt es sich, miteinander im Gespäch zu sein. Und auch für Impulse in die Kirche können wir voneinander lernen. Daher glauben wir, dass es sich lohnt, zukünftig regelmäßig ökumenische Kirchentage zu veranstalten.
Volker Andres ist Bundesvorsitzender des Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).
Das Interview führte Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber der Portale explizit.net und kath.de, die vom 11.-17. Mai vom Katholikentag in Würzburg berichtet haben).
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