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Zustimmung zu Putin bei der jungen Generation Russlands

Die Berichterstattung über Russland legt nahe, dass Putin umso mehr auf Ablehnung stößt, je jünger die Russen sind. Unser Moskauer Korrespondent zeigt, dass es anders ist und kann sich auf Ergebnisse von Umfragen stützen. Es ist dringend notwendig, dass wir nicht einem Wunschbild von Russland nachlaufen, sondern die Zustimmung zu Putin realistisch einschätzen. Es geht nicht darum Putin, sondern die Russen zu verstehen.

Die Einschätzung der politischen Optionen der jungen Genration Russlands schwankt zwischen zwei Extremen.. Während die einen davon ausgehen, dass eine neue Generation an der Spitze des Widerstandes gegen das autoritäre System steht, sehen andere die junge Generation als patriotisch und loyal der Macht gegenüber eingestellt, wie es von den Genrationen vor ihnen nicht gesagt werden kann. Der Journalist Alexander Simes formuliert das Paradox so: “Während die Mehrheit der jungen Russen Vladimir Putin unterstützt, sind sie auch den Problemen des Systems gegenüber nicht blind” 

Weitgehende Zustimmung zu Putin

Nach einer Umfrage des renommierten Umfragezentrums VTSIOM stimmten im März 2018 67,9% der Wähler im Alter zwischen 18 bis 34 für Putin. Wie bei der älteren Generation ist ein Grund dafür die Wiederherstellung des geopolitischen Status Russlands nach dem Kollaps der UdSSR.
Noch mehr wiegt die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage im Vergleich zu den Zuständen in der Jelzin-Ära, unter der die Generation ihrer Älteren zu leiden hatte.
Die Zustimmung zu Putin ist einmal durch seine charismatische Persönlichkeit bedingt, schließt aber auch die Akzeptanz für das System, das er geschaffen hat, durch die Jugendlichen ein.

Misstrauen gegenüber den staatlichen Institutionen

Die Higher School of Economics, eine der führenden Hochschulen Russlands, hat 2017 eine Umfrage unter 6 000 Studenten von 109 Universitäten durchgeführt. Die Forscher haben herausgefunden, dass die Mehrheit der jungen Leute in Russland den staatlichen Institutionen nicht traut. Das Niveau des Misstrauens lag besonders hoch bei den Abgeordneten des Parlaments, der Duma waren es 66%, bei den  Abgeordneten der Regionalen Versammlungen 65%, bei den Bürgermeistern 62% und den Gouverneuren (61%).
Die gleiche Umfrage hat festgellt, dass bei den Jugendlichen die Bewusstsein davon, dass das Land vor ernsten Problemen steht und dass Veränderungen nötig sind, sehr verbreitet ist. 69% der Befragten machen sich Sorgen um die Zukunft des Landes und 75% unterstützen nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Reformen. Gleichzeitig sind 48% dagegen, dass Veränderungen das System zerstören. D.h.: Jugendliche in Russland sind zwar für Reformen, aber gegen eine Revolution.

Russland als Widerpart der USAund des Westens

Wenn man von der Außenpolitik redet, gibt es starke Differenz bei den Jugendlichen.  Viele meinen, dass die russische Außenpolitik auf den Prinzipien des Vernunft und der Gerechtigkeit basiert ist, die sich den abenteuerlichen Einmischung der USA wie des Westens in die Angelegenheiten anderer Länder und den Kriegen entgegengestellt. Andere dagegen meinen, dass das Land auf den Aktionismus im Ausland verzichten und die Regierung sich auf die Verbesserung der Lage der Wirtschaft und in der Gesellschaft konzentrieren soll.
Trotz den gegenwärtigen Spannungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten gibt es bei den Jugendlichen in Russland kein Gefühl der Feindschaft den Vereinigten Staaten und dem Westen gegenüber. Mehr noch, auch die, die eine proaktive Außenpolitik gutheißen, plädieren für die Verbesserung der Beziehungen zum Westen. Der Westen wird von den Jugendlichen in Russland meistens sehr positive und auch sogar als ein Beispiel gesehen, wie die demokratische Gesellschaft und eine prosperierende Wirtschaft funktionieren sollen.

Russland als Großmacht gewollt

Trotzdem wollen sie nicht die Freundschaft zum jeden Preis und wollen, dass ihr Land als gleichberechtigte Partner anerkannt wird. In der Higher School of Economics Umfrage meinen 66% Studierenden, dass Russland nur als Großmacht existieren kann, und 40% meinen sogar, dass das Land nur dann respektiert wird, wenn andere vor ihm auch Angst haben. Deshalb gibt es wenig Zustimmung für Zugeständnisse. Die heranwachsende Generation steht manchmal den Entscheidungen der Regierung kritisch gegenüber und verlangt Anerkennung und Einfluss für ihr Land.

Dabei spielt bei den Jugendlichen die Außenpolitik wie die Politik überhaupt, eine untergeordnete Rolle. Heutige Jugendliche ist die erste Generation seit 1917, wenn nicht in der ganzen Geschichte Russlands, die sich auf die Verbesserung der materiellen Lage und auf ihre Karriere konzentrieren kann. Das findet auch das größte Interesse.  



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