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Christian Weisner - Foto: Wir sind Kirche

Weisner: "notwendige Reformen in allen Bereichen, kirchlich wie gesellschaftlich"

Der 104. Deutsche Katholikentag endete am 17. Mai. Aber das Katholik:innen-Treffen in Würzburg hat Spuren hinterlassen. Die Portale explizit.net und kath.de befragen daher Organisationen und Verbände nach ihrem Fazit. Heute Teil 3: Christian Weisner vom "Wir sind Kirche" - Bundesteam.

Frage 1: Herr Weisner, der 104. Deutsche Katholikentag ist beendet. Welches Fazit ziehen Sie?

Es war ein Katholikentag der Begegnungen, bis auf die Regenschauer hat alles sehr gut gepasst. Sehr gut, dass die großen Gottesdienste und auch die vielfältige Kirchenmeile offen zugänglich waren. Das hat sicher dazu beigetragen, dass dieser Katholikentag so gut besucht war. Wir Reformkräfte haben sehr viel Zuspruch erfahren. Der Aufruf von 30 Organisationen hat deutlich gemacht, wie notwendig Reformen in allen Bereichen sind, kirchlich wie gesellschaftlich. Mit der Menschenkette für Frauengerechtigkeit zwischen Dom und Augustinerkirche haben wir auch nach außen ein wichtiges Zeichen gesetzt.

Frage 2: ZdK und DBK haben betont, dass der Katholikentag 2026 politische Zeichen in Kirche und Gesellschaft gesetzt hat. Welche waren dies aus Ihrer Sicht und gibt es aus Ihrer Sicht auch Themen, die in Würzburg zu kurz gekommen sind? 

Ja, Katholiken- wie Kirchentage sind wichtige Diskursräume nicht nur für kirchliche, sondern für gesellschaftliche und selbstverständlich auch politische Themen. Die haben wir derzeit wahrlich genug. Katholiken- wie Kirchentage bieten Raum für solche Debatten einerseits auf der großen Bühne mit Prominenten, aber auch in den vielen kleinen Gesprächsgruppen und Begegnungen. Gesellschaft lebt vom Miteinander und vom Austausch. Diese persönlichen Begegnungen sind tausendmal besser als die sogenannten „sozialen Medien“, die in Wahrheit sehr unsozial sind. Ich fand diesen Katholikentag im guten Sinne politisch wie z.B. die Predigt des neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heiner Wilmer, im Schlussgottesdienst. Aber natürlich konnten nicht alle Themen angesprochen werden. Die Problematik Israel-Palästina ist leider ein so sensibles Thema für uns in Deutschland, das nur sehr schwer anzugehen ist.

Frage 3: Hat der Katholikentag aus Sicht von "Wir sind Kirche" eher "Rückenwind" oder eher "Gegenwind" für den Reformprozess "Synodaler Weg" oder die Debatte um das Frauendiakonat in Deutschland gegeben? 

Der Synodale Weg ist aus Deutschland nicht mehr wegzudenken, er ist notwendig wie das Amen in der Kirche. Anstoß war die 2018 veröffentlichte MHG-Studie, die Missbrauchsstudie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz. Das darf nie vergessen werden. Die von der MHG-Studie erkannten systemischen Ursachen sexualisierter und auch geistlicher Gewalt sind in den letzten sechs Jahren intensiv behandelt worden. Da ist viel geleistet worden. Jetzt gilt es, diese Ergebnisse in den weltweiten Synodalen Prozess einzubringen, den Papst Franziskus 2021 eröffnet hat. Die Veranstaltung mit Kardinal Mario Grech, dem Generalsekretär der römischen Bischofssynode hat gezeigt, dass das Verständnis von Synodalität in Rom und in Deutschland noch unterschiedlich ist. Das erfordert weitere Kommunikation. Kurz nach dem Katholikentag kam wieder ein Dokument des Vatikan, das die Kirchen weltweit daran erinnert, konkrete Vorschläge für Reformen zu machen, die dann 2028 in Rom zusammengetragen werden. Sehr bemerkenswert war, was Weihbischof in einer Veranstaltung zur Frauenweihe gesagt hat. Die „Frauenfrage“, die ja eigentlich ein Männerproblem ist, entscheidet über die Zukunft unserer Kirche.

Zusatzfrage: Beim Katholikentag in Würzburg wurde der Ruf nach einem Ökumenischen Kirchentag wieder lauter. Wie stehen Sie dazu? 

Es scheint schwierig zu sein, die Jahresrhythmen beider Großereignisse aufeinander abzustimmen. Mein Rat: Jeder Katholikentag und jeder Evangelischer Kirchentag sollte wesentliche ökumenische Anteile enthalten. Das ist Einheit in Vielfalt, das schärft einerseits die Profile, macht aber auch deutlich, wie wichtig diese Treffen von Christinnen und Christen für unsere Kirchen und auch für unser Land sind. Unsere Demokratie braucht Katholiken- wie Kirchentage, denn ohne Werte ist Demokratie nichts wert.

Das Interview mit Christian Weisner aus dem "Wir sind Kirche"-Bundesteam führte Christian Schnaubelt, Chefredakteur und Herausgeber von explizit.net. 


Kategorie: Kirche

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