Archivfoto: Christian Schnaubelt / kath.de

Synodaler Weg: Wie voll ist das Glas?

Vor einer Woche endete die sechste und letzte Synodalversammlung des Synodalen Weges in Stuttgart. Nach sechs Jahren ist es Zeit Bilanz zu ziehen und zu fragen: Ist das Glas halb voll oder halb leer? Ein Kommentar von Chefredakteur Christian Schnaubelt.

Eine Artikel im Rahmen des Monatsthemas "Synodale Kirche" der Portale explzit.net und kath.de.

Heute vor einer Woche endete in Stuttgart der „Synodale Weg“, der die katholische Kirche in Deutschland in den letzten sechs Jahren geprägt und verändert hat, formal. Die Zeit war – nicht nur während den sechs Versammlungen – von intensiven und teilweise teils kontroversen Diskussionen zwischen Bischöfen und Lai:innen, Teilnahmeboykotten von Bischöfen und insgesamt 15 gefassten Beschlüssen (https://www.synodalerweg.de/fileadmin/Synodalerweg/Dokumente_Reden_Beitraege/SV-VI/Flyer-Synodaler-Weg.pdf) geprägt. Am 31. Januar verabschiedete die sechste und letzte Synodalversammlung mit großer Mehrheit die Abschlusserklärung „Für eine Welt, die Zukunft hat – mit einer Kirche, die Hoffnung macht. Die katholische Kirche in Deutschland und der Synodale Weg“ (https://www.synodalerweg.de/fileadmin/Synodalerweg/Dokumente_Reden_Beitraege/SV-VI/SV-VI_Erklaerung-der_Synodalversammlung.pdf)

Ein Stück „Kirchengeschichte“ oder „ernüchternde Bilanz“?

In der Abschlusspressemitteilung des Synodalen Weges (https://www.synodalerweg.de/service/aktuelles/meldung/sechste-synodalversammlung-in-stuttgart-beendet) heißt es vom Präsidenten des Synodalen Weges Bischof Georg Bätzing (DBK): „Synodalität ist das Zukunftsmerkmal der Kirche – weltweit und in Deutschland. Ich bin froh und dankbar, dass die beiden synodalen Prozesse – der römische Weg und unser Weg – mittlerweile gut ineinandergreifen. Es gibt kein Gegenüber mehr, Kirche ist ein Miteinander, und Synodalität ist die Zukunft des Miteinanders der Kirche. Daran müssen wir uns messen lassen.“ Und die Präsidentin des Synodalen Weges Irme Stetter-Karp (ZdK) betonte: „Wir haben es geschafft! Die sechste Synodalversammlung markiert den Übergang zur Synodalkonferenz der katholischen Kirche in Deutschland. Wir haben eine Aufgabe in unserem Miteinander, für die Kirche auf dem Weg ins 21. Jahrhundert.“

Prof. Thomas Söding, Mitglied des Präsidiums des Synodalen Weges und Vizepräsident des ZdK, sprach von einem Stück „Kirchengeschichte“, die der Synodale Weg geschrieben habe. Gegenüber explizit.net und kath.de betonte Prof. Söding „Die synodale Erneuerung der Kirche ist eine Jahrhundertaufgabe. Wir gehen Schritt für Schritt voran. Der nächste Schritt ist immer der wichtigste (https://explizit.net/monatsthema/artikel/synodaler-weg-interview-mit-prof-thomas-soeding-zdk/).

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ zog zum Abschluss des Synodalen Weges „eine „ernüchternde Bilanz“ und betonte die „bleibende Brisanz“ (https://www.wir-sind-kirche.de/?id=128&id_entry=10679). Dabei wurde einerseits gewürdigt, „was der Synodale Weg in Deutschland angestoßen und bewegt hat“ und zugleich wurde aufgezeigt,  „woran weiterhin intensiv gearbeitet werden muss, damit unsere Kirche wieder glaubwürdiger und relevant für die Menschen werden kann.“

BDKJ-Bundesvorsitzender Volker Andres betonte gegenüber explizit.net und kath.de: „Wir müssen wir als Kirche in Deutschland einfach mutiger werden und einfach anfangen, Dinge umzusetzen, wenn Rom uns nicht antworten will. Auch gab es einige kleine Reformen, die ohne den Synodalen Weg so wahrscheinlich nicht möglich gewesen wären, aber es liegt noch einiges vor uns (https://explizit.net/monatsthema/artikel/synodaler-weg-interview-mit-bdkj-bundesvorsitzenden-volker-andres/).

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer?

Auf diese Frage der Portale kath.de und explizit.net gab es bisher diese Antworten:

„Das Glas ist weit über halbvoll, aber wir müssen auch ehrlich sein, wo wir nicht weit genug gekommen sind.“ (Bischof Georg Bätzing, DBK-Vorsitzender)

„Beim Prozess ist Glas dreiviertel voll. Bei der Reformagenda ist dies unterschiedlich. In der Frauenfrage ist das Glas z.B. noch nicht mal leicht gefüllt.“ (Irme Stetter-Karp, ZdK-Präsidentin)

„Das Glas ist nicht leer, aber deutlich zu wenig gefüllt – und es wird nur dann voller werden, wenn Beschlüsse und Ordnungen konsequent umgesetzt und Unabhängigkeit der dort Engagierten endlich ermöglicht werden.“ (Johannes Norpoth, Betroffenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz“

„Hinter die das bereits Erreichte gehen wir kfd-Frauen nicht mehr zurück. Das gilt deutschlandweit für alle Bistümer. Insofern ist noch viel Platz im Glas.“ (Lucia Lagoda, stellvertretende Bundesvorsitzende der kfd).

Das Glas ist mit Hoffnungen und Enttäuschungen gefüllt.

Die letzte Synodalversammlung endete vor einer Woche in Stuttgart sowohl mit Hoffnungen („Kirchengeschichte“, Söding) als auch mit Enttäuschungen („strukturelle Änderungen sind gescheitert“, Reformkräfte) zugleich. Somit ist das Glas auch mit Beiden zugleich gefüllt. 

Entscheidend wird sein, ob alle Beteiligten den Mut und die Kraft haben, die Reformen vor Ort umzusetzen. Dabei sind vor allem die Bischöfe in der Pflicht, ihren Abstimmungsergebnissen auch Taten folgen zu lassen (https://www.synodalerweg.de/fileadmin/Synodalerweg/Dokumente_Reden_Beitraege/SV-VI/SV-VI_TOP-4.2-Beschluss-Umgang-Monitoring.pdf). Zwingen kann sie dazu aber Niemand, auch nicht Rom.

Apropos: Der Gegenwind aus Rom scheint sich – nicht zuletzt durch die Ergebnisse der Weltsynode 2024 – zu drehen. Ob es mal ein Rückenwind werden wird?

Es wäre zu hoffen, denn das „laute Schweigen“ des Vatikans auf die Schreiben von DBK und die Gesprächsangebote des ZdK bald durchbrochen wird. Denn ansonsten droht ein Riss im Glas und das in sechs Jahren mühevoll gesammelte Wasser würde wieder aus dem Glas herausfließen…

Aber eins scheint sich dennoch aktuell abzuzeichnen: Ein „Zurück“, insbesondere bei der Frage der Synodalität der Kirche, wird es nicht mehr geben, auch nicht im Vatikan. Das ist gut, denn es gibt noch viel zu tun, damit die Beschlüsse des Synodalen Weges und die bisher erfolgten „Trippelschritte“ (ZdK) kein Strohfeuer bleiben.

„Nichts ist so beständig, wie der Wandel“, schrieb Heraklit. Und der Wandel in der katholischen Kirche in Deutschland ist erst ganz am Anfang. Aber er ist nicht allein und auch das zeigt:

Fazit: Das Glas ist voller als gedacht, aber auch anders als gedacht. 

Christian Schnaubelt, Chefredakteur und Herausgeber der Portale explizit.net und kath.de, hat alle Synodalversammlungen des Synodalen Weges und die Weltsynode 2024 in Rom als Journalist begleitet. 

Hinweis: 
Weitere Artikel zum Thema "Synodale Kirche" erscheinen hier: https://explizit.net/monatsthema/.  


Kategorie: Monatsthema

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