Eine Artikel im Rahmen des Monatsthemas "Synodale Kirche" der Portale explzit.net und kath.de.
Frage 1: Herr Prof. Söding, heute endete die sechste und letzte Synodalversammlung des Synodalen Weges. Was ergaben die Evaluation und die Beratungen in den letzten drei Tagen in Stuttgart? Und wie lautet ihr persönliches Fazit als Mitglied des Synodalpräsidiums?
Wir haben intensiv gearbeitet. Das war wichtig. Denn die synodale Erneuerung der Kirche ist eine Jahrhundertaufgabe. Wir gehen Schritt für Schritt voran. Der nächste Schritt ist immer der wichtigste. Die Evaluation hat gezeigt, wie aufmerksam und selbstkritisch die Mitglieder der Synodalversammlung ihre Aufgabe genommen haben: Sie identifizieren sich in ungewöhnlich hoher Weise mit dem synodalen Prozess, in dem sie selbst die Akteure sind. Sie würdigen auch durchaus den Ernst, mit dem vielerorts die Umsetzung bereits begonnen hat. Aber sie kritisieren, wo es unbegründete Verzögerungen und Verschleppungen gibt – nicht wegen, sondern trotz des Synodalen Weges.
Auch das Monitoring hat gezeigt: Viel ist schon umgesetzt worden, anderes braucht noch Zeit. Am schwierigsten ist es bei denen Themen, die auf weltkirchlicher Ebene weiterbearbeitet werden müssen, Netzwerke zu schaffen. Aber auch hier ist ein Anfang gemacht, die Kurie weiß das. Der Synodale Weg ist nötig, er ist auch möglich: Er ist nötig, weil die Probleme nur gemeinsam beschrieben und gelöst werden können; er ist möglich, weil sich die große Mehrheit der Bischöfe nicht abkapselt, das ZdK in die Verantwortung geht und viele Menschen innerhalb wie außerhalb der Kirche für gute Veränderungen arbeiten: mehr Gemeinsamkeit, mehr geteilte Leitung mehr vereinter Einsatz für das Evangelium.
Frage 2: In der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung haben sich 96 Prozent für Reformen in der katholischen Kirche ausgesprochen. Inwieweit hat der Synodale Weg Rückenwind oder Gegenwind für Reformen in Deutschland gebracht?
Es gibt keinen kirchlichen Ort, der wichtiger gewesen wäre, um in Ruhe und Entschiedenheit, mit der nötigen Leidenschaft und mit klarem Verstand eine Reform anzustoßen, die ihren Namen verdient. Der Synodale Weg hat Öffentlichkeit geschaffen. Er hat Tabus gebrochen. Er hat Verletzungen sichtbar gemacht. Er hat sich einer harten Gewissensprüfung unterzogen. Er hat valide Lösungsvorschläge gemacht – und genau unterschieden, ob es sich um Veränderungen handelt, die vor Ort umgesetzt werden können, oder um Optionen, von der die Weltkirche überzeugt werden muss. Das alles war nicht perfekt, aber verantwortlich. Es gibt nur ganz wenige, die bereuen, mitgemacht zu haben – aber viele, die sich eingebracht haben und gerne noch weitergegangen wären. Dazu besteht jetzt die Möglichkeit: mit der Synodalkonferenz.
Frage 3: Sie engagieren sich als Vizepräsident des ZdK. Wie bewertet das Zentralkomitee der deutschen Katholiken den Abschluss des Synodalen Weges? Was wurde erreicht, was wurde noch nicht erreicht? Welche weiteren Schritte sind aus Sicht des ZdK notwendig?
Das ZdK ist von der Deutschen Bischofskonferenz eingeladen worden, den Synodalen Weg nicht nur mitzugehen, sondern auch mitzuverantworten. Es hat die Einladung angenommen. Das war richtig. Das ZdK habe ich während der gesamten Zeit als eine aktive Kraft gesehen: mit einer langen Erfahrung von Demokratie in der Kirche, mit einer tiefgründigen Expertise für das Glaubensleben mitten in der Welt, mit Ideen und Anstößen, die deutlich machen, dass die Kirche sich neu aufstellen muss, um ihre kerygmatische und katechetische, ihre pastorale und liturgische, ihre diakonische, nicht zuletzt ihre politische, soziale und kulturelle Aufgabe zu erfüllen. Jetzt sind wir einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Mit der Synodalkonferenz wird Synodalität auf Dauer gestellt.
Das Finanzmandat muss noch ausgearbeitet werden. Aber am wichtigsten ist: Das ZdK muss zusammen mit der Bischofskonferenz und mit den weiteren Konferenzmitgliedern schauen, welche politischen und pastoralen Themen zuerst auf die Tagesordnung gehören: eine gerechte Gesellschaft, die den Frieden verteidigt; eine neue Schule des Glaubens, die der Freiheit Hausrecht erteilt; eine faire Beteiligung an den Entscheidungen über die Gelder auf Bundesebene, die zum großen Teil Steuermittel sind. Das Ganze in einer geistlichen Haltung, die sich nicht scheut, politisch zu werden, und in einer organisatorischen Klarheit, die dem Geist bessere Chancen gibt, wirksam zu werden.
Zusatzfrage: Im November soll - vorbehaltlich der Zustimmung der DBK und des Vatikan- die "Synodalkonferenz" in Würzburg erstmals tagen. Was ist die Besonderheit dieses Gremiums und inwieweit kann dieses Gremium dazu beitragen, die eine dauerhafte "geteilte Verantwortung" zwischen Lai:innen und Bischöfen zu schaffen?
In der Synodalkonferenz werden alle Diözesanbischöfe Sitz und Stimme haben – wenn sie sich nicht verweigern. In der Synodalkonferenz wird das ZdK mit gleicher Zahl das Kirchenvolk vertreten und die Räte in den Diözesen, die Vereine und Verbände, das organisierte Engagement Einzelner repräsentieren. Und in der Synodalkonferenz werden weitere Personen und Gruppen mit ihren Charismen, mit ihren Erfahrungen, mit ihrer Verantwortung die Zukunft der Kirche bestimmen. Das ist eine qualitative Verbesserung der Partizipation. Jetzt kommt es darauf an, das neue Instrument zu nutzen und positive Impulse in die Kirche zu senden. Ich bin sicher: Das wird gelingen.
Das Interview führte Christian Schnaubelt, Chefredakteur und Herausgeber der Portale explizit.net und kath.de, der alle Synodalversammlungen des Synodalen Weges als Journalist begleitet hat.
Hinweis: Weitere Artikel zum Thema "Synodale Kirche" erscheinen hier: https://explizit.net/monatsthema/.
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