Foto: Christian Schnaubelt / kath.de

Synodaler Weg: Interview mit BDKJ-Bundesvorsitzenden Volker Andres

Am 31. Januar endete die sechste und letzte Synodalversammlung des Synodalen Weges in Stuttgart. Nach sechs Jahren ist es Zeit Bilanz zu ziehen und zu fragen: Ist das Glas halb voll oder halb leer? Die Portale explizit.net und kath.de führen dazu eine Interviewreihe durch. Den Auftakt macht BDKJ-Bundesvorsitzender Volker Andres.

Eine Artikel im Rahmen des Monatsthemas "Synodale Kirche" der Portale explzit.net und kath.de. 

Frage 1: Herr Andres, heute endete die sechste und letzte Synodalversammlung des Synodalen Weges. Was ergaben die Evaluation und die Beratungen in den letzten drei Tagen in Stuttgart?
 

Andres: Die Synodalen haben selbstkritisch auf den Synodalen Weg geschaut. Dieser ist gestartet, um die strukturellen Ursachen für sexualisierte Gewalt zu beseitigen. In einigen Bereichen wurden hier zwar Beschlüsse gefasst, diese sind aber noch nicht weitreichend genug. Das Monitoring über die Umsetzung der gefassten Beschlüsse hat gezeigt: Nur rund ein Drittel der Beschlüsse wurde bisher umgesetzt. Deshalb hat die Versammlung die Bischöfe noch einmal aufgefordert, die Beschlüsse umzusetzen und die Zwischenstände zum Stand der Umsetzung endlich transparent zu machen. Hier müssen wir dringen weiter dranbleiben.  
 
Frage 2: In der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung haben sich 96 Prozent für Reformen in der katholischen Kirche ausgesprochen. Inwieweit hat der Synodale Weg Rückenwind oder Gegenwind für Reformen in Deutschland gebracht?  

Andres: Der Synodale Weg hat geholfen, dass über viele Themen endlich einmal gemeinsam diskutiert werden konnte. Er hat aber auch deutlich gemacht, wie schwierig es ist, ernsthafte Reformen voranzubringen. Viele der Beschlüsse sind durch Druck der Bischöfe sehr abgeschwächt worden. Dennoch gab es aus Rom immer wieder Kritik. Und auf viele Fragen und Schreiben vom Synodalen Weg gab es bis heute keine Antwort. Hier müssen wir als Kirche in Deutschland einfach mutiger werden und einfach anfangen, Dinge umzusetzen, wenn Rom uns nicht antworten will. Auch gab es einige kleine Reformen, die ohne den Synodalen Weg so wahrscheinlich nicht möglich gewesen wären, aber es liegt noch einiges vor uns. 
 
Frage 3: Synodalität in der Kirche in Deutschland soll ja weitergehen. Wie bewerten sie die Satzung der Synodalkonferenz und die Pläne zum weiteren Vorgehen?  
 
Andres: Wir müssen weiter konsequent Missbrauch aufarbeiten. Dabei ist es wichtig, auf das zu hören, was uns Betroffene empfehlen. Die Synodalkonferenz ist aber auch ein wichtiges Mittel, gemeinsam als Lai:innen und Bischöfe über aktuelle Fragen und weitere Reformen zu beraten und zu entscheiden. Dazu ist es wichtig, dass die Synodalkonferenz generationen- und geschlechtergerecht besetzt ist. Wir haben uns für 30% unter 30 Jährige und 50% Frauen stark gemacht. Leider konnten wir uns aber nicht ganz durchsetzen. Es wurde in Stuttgart ein Kompromiss erzieht. Unter den 27 noch zu besetzenden “weiteren Gläubigen” sollen immerhin mindestens 5 Personen unter 30 Jahren und mindestem 13 Frauen sein. Auch bei der Besetzung der Plätze durch das Zentralkomitee der Katholiken wollen wir uns für mehr Generationen- und Geschlechtergerechtigkeit stark machen. 

Das Interview führte Christian Schnaubelt, Chefredakteur und Herausgeber der Portale explizit.net und kath.de, der alle Synodalversammlungen des Synodalen Weges als Journalist begleitet hat. 

Hinweis: Weitere Artikel zum Thema "Synodale Kirche" erscheinen hier: https://explizit.net/monatsthema/


Kategorie: Monatsthema

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