Das Feuer, das anzieht
Wer je an einem Lagerfeuer gesessen hat, kennt diese fast magnetische Kraft: Das Feuer zieht an. Menschen, die sich vielleicht kaum kennen, rücken zusammen, schauen in dieselbe Flamme, schweigen gemeinsam oder beginnen zu reden. Die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) hat dieses Erlebnis theologisch in einem ihrer Kirchenbilder festgehalten: „Ein Feuer lockt Menschen an und lässt Gemeinschaft rund um das Feuer entstehen. Hier kommen wir ins Gespräch und in Beziehung, feiern und trauern gemeinsam, kommen ans Nachdenken und Fragen (...) So faszinierend wie ein Feuer, so faszinierend kann auch Gott sein."
Feuer steckt an
Das vielleicht kräftigste Element im Lagerfeuer-Kirchenbild der DPSG ist die Aussage: „Feuer steckt an." Wer am Feuer sitzt, trägt unweigerlich den Rauch, die Wärme, den Geruch des Feuers mit sich. So ist es auch mit dem Heiligen Geist: Die Jünger können an Pfingsten nicht schweigen. „Wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, werdet ihr mit seiner Kraft ausgerüstet werden" (Apg 1,8), hatte Jesus versprochen. Und tatsächlich: Sie gehen hinaus, reden, verkünden – in fremden Sprachen, sodass Menschen aus aller Welt sie verstehen.
Feuer muss gehütet werden
Im Kirchenbild der DPSG heißt es weiterhin: „Feuer muss gehütet und gepflegt werden." Wie war. Der Glaube ist kein Selbstläufer oder Automatismus. Weder in der frühen Kirche, noch heute. Daher ist die Gemeinschaft am Lagerfeuer wichtiger denn je. Aber es gelingt nur, wenn alle mitmachen. Und dies gelingt am besten in chrislicher Gemeinschaft. Denn auch dies zeichnet Pfadfinden aus: Die Gemeinschaft verbndet, egal ob gläubig oder nicht, evangelisch oder katholisch, jung oder alt, aus Westen, Norden, Süden oder Osten.
Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche – und dieser Geburtstag beginnt am Feuer
„Feuer bringt zum Glühen, es setzt Energie frei. Jemand kann ‚Feuer und Flamme' für eine Sache sein, so wie die Apostel damals. Von ihrer Begeisterung haben sich auch andere anstecken lassen. Das war der Anfang – der ‚Geburtstag' – der Kirche", schrieb die Diözese Linz zum Pfingstfest und formulierte die schöne Schlußfolgerung: "Wer wirklich am Feuer sitzt, kann nicht kalt bleiben."
An Pfingsten lohnt es sich, etwas tiefer auf dieses Lagerfeuer-Bild zu schauen. Kommt das Feuer bei uns noch zum Leuchten? Ziehen wir in unseren Gemeinden oder Verbänden Menschen an, oder schrecken wir sie ab? Hüten wir die Glut des Geistes, oder lassen wir ihn veräschern? Stecken wir andere an – oder sind wir längst erkaltet? Hüten wir die Aschee oder entzünden wir neue Feuer?
"Hütet das Feuer!"
Am Lagerfeuer gilt: Wer kommt, ist willkommen. Es gibt keine reservierten Plätze und nie zu wenig Platz. Vielleicht ist dies eine der stärksten Aussage des Lagerfeuer-Bildes von Pfingsten. Denn die Jünger:innen in Jerusalem haben am Pfingstmorgen nicht eine Sitzung abgehalten. Sie haben Feuer gefangen.
Das wünsche ich mir auch für unsere Kirche: Wir brauchen eine Kirche, die wärmt, leuchtet, anzieht und ansteckt. Und vor allen, die einädt: "Setzt euch ans Feuer und hütet das Feuer!"
In diesem Sinne wünsche ich allen Leser:innen ein frohes und gesegnetes Pfingstfest 2026.
Ein Kommentar vorn Christian Schnaubelt (Chefredakteur und Herausgeber von explizit.net).
Hinweis: Im DPSG-Bundeszentrum Westernohe im Westerwald (Rheinland-Pfalz) treffen sich an diesem Pfingstwochenende rund 4.000 Pfadfinder:innen aus ganz Deutschland. Weitere Informationen gibt es im Web auf: https://www.dpsg.de/de/pfingsten.
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