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Lucia Lagoda - Foto: Kay Herschelmann / kfd

Lagoda: "Es ist wichtig nachzudenken, dann mutig aufzustehen und sich persönlich einzubringen"

Der 104. Deutsche Katholikentag endete am 17. Mai. Aber das Katholik:innen-Treffen in Würzburg hat Spuren hinterlassen. Die Portale explizit.net und kath.de befragen daher Organisationen und Verbände nach ihrem Fazit. Heute Teil 4: Lucia Lagoda, stellvertretende Bundesvorsitzende des katholischen Frauenverbandes kfd.

Frage 1: Frau Lagoda, der 104. Deutsche Katholikentag ist beendet. Welches Fazit ziehen Sie?

Der Katholikentag in Würzburg hat gut getan und gezeigt, dass es weiterhin eine Sehnsucht nach persönlicher Begegnung und persönlichem Austausch unter katholischen Christen gibt. Aber das nicht nur innerhalb der „katholischen Blase“, sondern weit darüber hinaus. Das hat man daran gemerkt, dass es auf der Kirchenmeile Stände auch nicht katholischer Akteure z.B. der evangelischen Kirche, der Bertelsmann Stiftung, der Rosa-Luxemburg Stiftung und weiterer namhafter Institutionen gab. 

Das Motto: „Hab Mut, steh auf“ hat darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, nachzudenken und dann mutig aufzustehen und sich persönlich einzubringen, sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft um die Demokratie zu erhalten, die Menschenwürde immer wieder einzufordern und den sozialen Zusammenhalt zu stärken.

Der Katholikentag in Würzburg war abwechslungsreich: er war fröhlich, fromm, gemeinschaftlich, nachdenklich und ermutigend. 

Frage 2: ZdK und DBK haben betont, dass der Katholikentag 2026 politische Zeichen in Kirche und Gesellschaft gesetzt hat. Welche waren dies aus Ihrer Sicht und gibt es aus Ihrer Sicht auch Themen, die in Würzburg zu kurz gekommen sind? 

Natürlich spielt auf Katholikentagen das ganze Spektrum der katholischen Themen eine große Rolle, also Themen wie z.B. Spiritualität, Gebet, Mediation, Gottesdienste, Glaubensfragen und Fragen nach dem Sinn des Lebens usw. Aber die Katholikentage waren schon immer politisch. Dieser Katholikentag hat m.E. die Politik noch einmal stärker in den Vordergrund gerückt.

Obwohl die Kirche sich innerhalb ihrer Strukturen schwer tut, hat sie sich doch klar zur Demokratie bekannt und sich  vehement gegen rechtsextremes Gedankengut gestellt. Veranstaltungen zum  Demokratieverständnis, einer Gesellschaft die wieder zusammenhalten und -wachsen muss, nahmen einen großen Raum ein.

In einer eigens eingerichteten „Demokratie-Kirche“ wurden  Workshops zu den Themen: Menschenwürde, Teilhabe und Verständigung angeboten.

Weitere politische Themen wie „Krieg, Frieden, Aufrüstung und Sicherheit“ waren Inhalt in vielen gut besuchten Podien, Gesprächskreisen und Workshops. Man merkte in allen Veranstaltungen die Aktualität und die große Relevanz dieser Themen für alle Teilnehmenden.

Das Thema der Missbrauchs-Aufarbeitung war präsent, aber es hätte angesichts seiner gesamtgesellschaftlichen Tragweite wesentlich zentraler platziert sein können. Für viele Betroffene und Menschen, die die Kirche deswegen verlassen haben, ist dies für sie die Glaubwürdigkeitsfrage der Kirche.

Auch das Thema „Kirchenaustritte“ hätte m.E. mehr Beachtung verdient.

Frage 3: Hat der Katholikentag aus Sicht der kfd "Rückenwind" oder "Gegenwind" in die Debatte um ein "Frauendiakonat" in Deutschland gegeben? 

Ich denke, es hat  „Rückenwind“ für die Debatte des Frauendiakonates gegeben.

Die kfd hat den Katholikentag in Würzburg genutzt, um wieder einmal gezielt die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche und hier besonders die Predigterlaubnis für Frauen innerhalb von Eucharistiefeiern und den Diakonat der Frau einzufordern.

Besonders deutlich sehe ich dies beim gemeinsamen Aufruf katholischer Reformkräfte, den auch die kfd mit unterzeichnet hat. Hier haben wir ausdrücklich die „dringend notwendige Erneuerung aller priesterlichen, diakonischen und leitungs-Dienste“ gefordert.

Dies kam bei den  Diskussionen im kfd-Zelt sehr stark zum Ausdruck und wurde durch unsere öffentlichen Aktionen unterstützt.

Ganz besonders die Preacher-Slams, als Highlight des Predigerinnentages der kfd, haben sehr großen Anklang unter den Besucher*innen gefunden. Damit hat die kfd gezeigt, dass wir Frauen bereits geistliche Verantwortung übernehmen und unsere Stimmen in der Kirche zu diesen Themen gehört und beachtet werden sollten.

Die kfd hat auf dem Katholikentag einerseits Bestärkung und Unterstützung erfahren und konnte andererseits unserem berechtigten Anliegen öffentliche Sichtbarkeit verschaffen. All  das werten wir als „Rückenwind“ für uns.

Zusatzfrage: Beim Katholikentag in Würzburg wurde der Ruf nach einem Ökumenischen Kirchentag wieder lauter. Wie stehen Sie dazu? 

Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland haben viele gemeinsame Fragen zu beantworten wie z.B. die Glaubwürdigkeit der Kirchen, der Umgang mit Macht und Missbrauch, Fragen sozialer Gerechtigkeit, Frieden, Sicherheit und den Klimaschutz.

Aber man darf nicht verkennen, dass es auch große Unterschiede gibt, die sich so schnell nicht verändern lassen, so zur Frage des gemeinsamen Abendmahls bzw. der Eucharistie oder das unterschiedliche Amtsverständnis.

Der Katholikentag in Würzburg hatte schon viele ökumenische Ansätze, so etwa die Beteiligung der ACK. Ferner gab viele konfessionsübergreifende Angebote. Ich denke da z.B. an den ökumenischen Frauengottesdienst im Kiliansdom mit 1450 Besucher*innen.

Ich denke auch, dass die Basis vor Ort in vielen Pfarrgemeinden weiter ist als unsere Kirchenleitungen vermuten. Das christliche Miteinander im Alltag funktioniert vielerorts unproblematisch.

Ich würde die Tradition der ökumenischen Kirchentage, die alle sehr erfolgreich waren, gerne fortgeführt sehen.

Das Interview mit Lucia Lagoda, stellvertretende Bundesvorsitzende der kfd, führte Christian Schnaubelt, Chefredakteur und Herausgeber von explizit.net. 


Kategorie: Kirche

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