14 Nothelfer, strahlende Darstellung kath. Soziallehre

Konflikte brauchen Werte

Es gibt viel Unzufriedenheit im Lande. Entsprechende politische Gruppierungen profitieren davon. Studenten sind mit dem modularisierten Studium nicht zufrieden, Arbeitnehmer stöhnen über die wachsende Belastung, weil an Personal gespart wird, in der katholischen Kirche ist man prinzipiell unzufrieden. Der Unmut wird anders als bei den Achtundsechzigern nicht aggressiv ausgetragen. Man bleibt einfach weg, ob vom Gottesdienst, bei Wahlen zu den Gremien oder beim Katholikentag.

Es gibt viel Unzufriedenheit im Lande. Entsprechende politische Gruppierungen profitieren davon. Studenten sind mit dem modularisierten Studium nicht zufrieden, Arbeitnehmer stöhnen über die wachsende Belastung, weil an Personal gespart wird, in der katholischen Kirche ist man prinzipiell unzufrieden. Der Unmut wird anders als bei den Achtundsechzigern nicht aggressiv ausgetragen. Man bleibt einfach weg, ob vom Gottesdienst, bei Wahlen zu den Gremien oder beim Katholikentag.

Ungelöste Konflikte kann man auf Dauer nicht mit Geld zudecken

Wenn die Wirtschaft wächst, kann man Unzufriedenheit mit Geld dämpfen. Wenn die Mitarbeiter sich ungerecht behandelt fühlen, verfeinert man die Arbeitsordnung und die Gehaltseinstufungen. Das ist meist mit einem höheren Finanzbedarf verbunden. Aber Geld löst allenfalls einen Teil des Konflikts, jedoch nicht das Empfinden, ungerecht behandelt, als Mitarbeiter nicht geschätzt, sondern bloß als Kostenfaktor betrachtet zu werden, der besser von der Gehaltsliste gestrichen werden sollte.

Gefühle bestimmen unser Leben

Für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz und die Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter spielen die Emotionen die entscheidende Rolle: Sich akzeptiert fühlen, als Teil des Ganzen gesehen werden, sich auf gerechte Entscheidungen verlassen, an der Wertverwirklichung teilhaben können, die dem eigenen Leben Sinn gibt. Diese kurze Liste zeigt, dass es um Werte geht, wenn der Konflikt emotional erlebt wird. Nun muss man im Alltag immer damit rechnen, dass Vorgesetzte wie auch Mitarbeiter gegen die für eine Einrichtung, ein Unternehmen gültigen Werte verstoßen. Da eine Kirche das Werte-Level noch höher einstuft als ein Unternehmen, kommt es in wertorientierten Unternehmen und Einrichtungen, auch in Ordensgemeinschaften, häufiger zu Konflikten.

Konfliktausgleich braucht eine Wertebasis

Wenn Werte verletzt werden, führt das bei dem, der die Verletzung hinnehmen soll, zu Zweifeln an der Institution. Das gilt auch wieder deutlicher für kirchliche Einrichtungen, denn ein Non-Profit-Unternehmen zieht ja gerade die Menschen an, denen es um die von einer Kirche vertretenen Werte geht. Sie fühlen sich mehr getroffen, als wenn in einem Profit-Unternehmen mal gegen Werte verstoßen wird. Dort gilt: "Hauptsache die Zahlen stimmen am Ende." Ryan Air kann mit einem maskulinen, brachialen Führungsstil eher durchkommen als ein Krankenhaus oder eine Sozialstation.

Konflikte beinhalten daher immer die Frage: Gelten bei uns die Werte noch? Die Konfliktlösung kann daher nicht mit psychologischen Strategien einfach gefunden werden, sondern bedarf der Versicherung, dass die Werte wieder in Kraft gesetzt und in Zukunft aufmerksamer beachtet werden. Im Konflikt müssen zuerst die Emotionen aufgearbeitet werden, die Lösung liegt aber darin, dass die gemeinsame Wertebasis wieder hergestellt werden muss. Für kirchliche Einrichtungen dürfte das keine Frage sein, denn ein menschenfreundlicher, auf die Mitarbeiter achtender Führungsstil ist bereits in den Evangelien und den Tugendkatalogen der neutestamentlichen Briefe verankert und in der katholischen Soziallehre weiter entfaltet.

Eigentlich muss das für kirchliche Einrichtungen nicht eigens angeordnet werden, so sie sich als katholisch, als Caritas-Einrichtung bezeichnen. Was steht dem entgegen:

Der Mitarbeiter als Kostenfaktor

Unter dem Einfluss des neoliberalen Denkens werden Mitarbeiter zu dem entscheidenden Kostenfaktor. Das ist erst einmal verständlich, denn ob Seelsorge oder Caritas, es ist neben den Gebäuden das Personal, das Geld kostet. Wenn dann allerdings die McKinsey-Philosophie greift, heißt Optimierung, die gut bezahlten Kräfte, die schon länger im Unternehmen, in der Einrichtung tätig sind, loszuwerden und dann noch wie die Lufthansa mit Germanwings ein Tochterunternehmen zu gründen, das die Lohnskala dann tiefer ansetzt. Oder man beschäftigt mehr und mehr Mitarbeiter über Zeitverträge. Das geht aber nicht gut, denn ein Unternehmen steht und fällt mit seiner Stammbelegschaft. Die ist auch zu Überstunden bereit. Überschreiten die aber ein bestimmtes Maß, erhöht sich der Krankenstand, so dass das ganze Unternehmen in Gefahr ist. Die Dynamik ist die Gleiche wie bei einer Fußballmannschaft. Wenn zu viele Spiele angesetzt werden, können sich die Spieler nicht mehr regenerieren und werden für Verletzungen anfälliger. Dann fehlen die Kräfte für die Championsleague.

Es fehlt das Vertrauen in die katholische Soziallehre

Jeder Außenstehende sieht, dass eine McKinsey Personalpolitik eine Sozialeinrichtung von innen her aushöhlt. Würde man sich an die katholische Soziallehre halten, dann erhielten die Mitarbeiter die höchste Aufmerksamkeit. Es gilt ja in dem Wertesystem das Personprinzip. Das kann man auch umsetzen, denn kirchliche Einrichtungen müssen ja keine Gewinne machen. Nicht die betriebswirtschaftliche, sondern die menschliche Rechnung muss als allererstes stimmen. Denn die Mitarbeiter setzen ja die Werte um, derentwegen es die kirchliche Einrichtung überhaupt gibt. Das war auch das Prinzip, nach dem die meisten heutigen Sozialeinrichtungen aufgebaut wurden. Es wurden Manpower-Unternehmen gegründet, nämlich die Orden, die im 19. Jahrhundert in großer Zahl entstanden. Diese zielten zuerst auf die Wertverwirklichung gegenüber den Kranken, den Gebrechlichen, den Kindern. Nicht wenige Orden wurden mit dem Ziel gegründet, die Situation der Mädchen durch Bildung zu verbessern. Das Organisationsprinzip einer Lebensgemeinschaft liegt auch den Diakonissen- und Rot-Kreuz-Schwesternschaften zugrunde. Deren Gründungen überlebten die Anfangsjahre vor allem durch das hohe Engagement ihrer Mitglieder. Im Vergleich mit den Mitteln, die diesen Gemeinschaften für den Aufbau ihrer Sozialeinrichtungen zur Verfügung standen, sind die heutigen Träger geradezu fürstlich ausgestattet. Manche Geschäftsführer, die die leitende Ordensfrau oder Diakonisse ersetzt haben, demonstrieren die gute finanzielle Ausstattung auch entsprechend der herrschenden Zeichensprache in auffälligen Autos. Aber Ihnen fehlt nicht selten das Vertrauen ihrer Vorgängerinnen, dass ein Werk gelingt, wenn man es dem Segen Gottes anvertraut. Herrscht aber die McKinsey-Philosophie, dann vertrauen sie noch nicht einmal ihrer Stammbelegschaft. Man könnte das als institutionelles Mobbing bezeichnen, es ist jedoch eher ein Schwund an gelebter Spiritualität. Wenn man eben Gott nicht vertraut, dann doch dem Geld. Dann muss man auch in der entsprechend großen Limousine bei der Bank vorfahren. Was zumindest die katholische Kirche heute braucht, ist nicht eine neue Soziallehre. Diese ist erprobt führt sicher zu wirtschaftlich stabileren Unternehmen als der Neoliberalismus, der hört man auf die große Unzufriedenheit vieler Mitarbeiter, in kirchlichen Einrichtungen und den entsprechenden Verwaltungen als chic zu gelten scheint. Es geht nicht um eine Lehre, die überholt wäre, sondern darum, dass die für die Finanzen Verantwortlichen darauf vertrauen, dass mit den Prinzipien, die jetzt über 100 Jahre lang entwickelt wurden, ein Non-Profit-Unternehmen langfristig gesichert werden kann. Das funktioniert deshalb, weil die Menschen einer Einrichtung vertrauen, die nach den Prinzipien der katholischen Soziallehre geführt wird.

Die Zustimmung zur Kirchensteuer wird gefährdet

Die für die Finanzen in einem Bistum oder bei der Caritas Zuständigen sollten auch mittelfristig vorausschauen. Wenn McKinsey herrscht, dann sinkt die Bereitschaft, noch Kirchensteuer zu zahlen. Eine Partei, die eine entsprechende Stimmung aufgreift, kann umso mehr Wähler auf sich ziehen, wie die Mitarbeiterschaft kirchlicher Einrichtungen unzufrieden ist. Denn die stehen im Kontakt mit den Kirchensteuerzahlern. Da die Mehrzahl der Kirchensteuerzahler die liturgischen und seelsorglichen Angebote der Kirchen nicht mehr wahrnehmen, "verdienen" die Erzieherinnen in den Kindergärten, die Krankenschwestern, die Altenpfleger, die Lehrerschaft an kirchlichen Schulen, die Malteser, die DJK u.va. die Kirchensteuer. Insofern stimmt es dann schon, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in kirchlichen Einrichtungen der entscheidende Kostenfaktor sind, so wie früher die Ordensfrauen.



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