1. Die Frankfurter Buchmesse 2026 ist beendet: Welches Fazit zieht der Katholische Medienverband, der ja auch mit einem Gemeinschaftsstand bei der #fbm26 vertreten war?
Wir ziehen ein ausgesprochen positives Fazit. Unser Gemeinschaftsstand, den wir zusammen mit der Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger (VEB) organisiert haben, war an allen Messetagen sehr gut besucht – sowohl von Fachbesucherinnen und Fachbesuchern als auch vom allgemeinen Lesepublikum. Das zeigt uns, dass die konfessionellen Verlage mit ihren Angeboten weiterhin auf großes Interesse stoßen.
Der Gemeinschaftsstand ist für unsere Mitgliedsverlage ein echtes Erfolgsmodell. Er bietet eine hohe Sichtbarkeit, einen professionellen Rahmen für Begegnungen und Gespräche und nicht zuletzt eine wirtschaftlich attraktive Möglichkeit, auf der weltweit wichtigsten Buchmesse präsent zu sein. Einen solchen Auftritt könnte nicht jeder Verlag für sich allein realisieren. Gemeinsam gelingt uns das – und genau darin liegt auch eine wichtige Aufgabe unseres Verbands: Kräfte zu bündeln, Synergien zu schaffen und unseren Mitgliedern eine starke Plattform zu bieten.
Besonders wertvoll waren für mich auch die persönlichen Begegnungen und der intensive Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus den Verlagen. Die Buchmesse bleibt ein unverzichtbarer Ort, um Kontakte zu pflegen, neue Ideen zu entwickeln und gemeinsame Perspektiven auszuloten.
2. Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung des (konfessionellen) Buchmarkts?
Das Buch ist schon oft totgesagt worden. Angesichts der Konkurrenz durch digitale Medien und veränderter Mediennutzungsgewohnheiten werden immer wieder Abgesänge auf das Lesen angestimmt – so auch in diesem Jahr auf der Buchmesse. Dabei behauptet das Buch nach wie vor seinen festen Platz. Menschen wollen lesen, sich mit Themen vertieft auseinandersetzen und Orientierung finden.
Das gilt auch für den konfessionellen Buchmarkt. Katholische und evangelische Verlage erreichen weiterhin ihre Leserinnen und Leser, wenn sie relevante Themen aufgreifen, überzeugende Autorinnen und Autoren gewinnen und Bücher veröffentlichen, die Fragen unserer Zeit aufgreifen. Dabei geht es längst nicht nur um ein eng verstandenes religiöses Publikum. Fragen nach Sinn, Werten, gesellschaftlichem Zusammenhalt und persönlicher Orientierung bewegen viele Menschen – und hier haben konfessionelle Verlage viel beizutragen, gerade auch, wenn es um Zukunftsthemen unserer Gesellschaft geht.
Insofern unterscheidet sich der konfessionelle Buchmarkt gar nicht so grundsätzlich vom allgemeinen Buchmarkt: Entscheidend sind die Qualität der Inhalte, die Relevanz der Themen und die Fähigkeit, die eigenen Zielgruppen zu erreichen und die Nischen zu bedienen.
Eine Entwicklung bereitet uns allerdings Sorge: Konfessionell geprägte Buchhandlungen verschwinden zunehmend aus den Innenstädten. Das liegt nicht allein an wirtschaftlichen Herausforderungen, sondern häufig auch daran, dass geeignete Nachfolgerinnen und Nachfolger fehlen, die bereit sind, diese Geschäfte in die nächste Generation zu führen. Damit gehen nicht nur Verkaufsorte verloren, sondern auch wichtige Orte der Begegnung, der Beratung und der kulturellen und religiösen Auseinandersetzung. Diese Entwicklung müssen wir aufmerksam begleiten.
3. Das zentrale Thema der Frankfurter Buchmesse war der Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI). Welche Position nimmt der Katholische Medienverband dazu ein?
Künstliche Intelligenz ist längst in der Verlagswelt angekommen – selbstverständlich auch bei katholischen Verlagen und Medienhäusern. Ich sehe darin zunächst einmal große Chancen. KI kann helfen, Arbeitsprozesse zu vereinfachen, Routinetätigkeiten zu beschleunigen und Ressourcen freizusetzen. Gerade für kleinere und mittelständische Verlage ist das interessant, weil dadurch mehr Zeit für kreative Arbeit, neue Projekte und die eigentliche verlegerische Aufgabe bleibt: gute Inhalte zu entwickeln und zu den Menschen zu bringen.
Auf der Buchmesse habe ich mich mit Kolleginnen und Kollegen auch darüber ausgetauscht, wie KI bereits ganz praktisch in den Verlagen eingesetzt wird. Dabei wird deutlich, dass wir uns mit dieser Technologie konstruktiv und zugleich verantwortungsbewusst auseinandersetzen müssen.
Für mich gibt es dabei einen entscheidenden Grundsatz: Künstliche Intelligenz muss ein Werkzeug des Menschen bleiben – nicht umgekehrt. Ergebnisse, die mithilfe von KI entstehen, müssen von Menschen geprüft, bewertet und verantwortet werden. Die letzte redaktionelle und verlegerische Entscheidung darf nicht an eine Maschine delegiert werden. Gerade als katholische Medienunternehmen haben wir einen besonderen Anspruch an Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Verantwortung. Technologische Innovation und ethische Orientierung sind für uns keine Gegensätze. Im Gegenteil: Wir sollten die Möglichkeiten der KI nutzen, ohne dabei unsere publizistischen Werte aus der Hand zu geben.
Die menschliche Intelligenz muss Herr im Haus bleiben. Das ist für mich der entscheidende Maßstab im Umgang mit KI.
Zusatzfrage: Liegen dem Katholischen Medienverband Zahlen oder Rückmeldungen vor, wie viele katholische Verlage bereits KI einsetzen oder dies planen?
Eine belastbare quantitative Erhebung speziell unter den katholischen Verlagen liegt uns derzeit nicht vor. Deshalb wäre es unseriös, konkrete Prozentzahlen zu nennen.
Aus den Gesprächen mit unseren Mitgliedsverlagen und dem Austausch auf der Buchmesse nehme ich allerdings mit, dass KI längst kein theoretisches Zukunftsthema mehr ist. Viele Verlage beschäftigen sich intensiv mit den Einsatzmöglichkeiten, erproben Anwendungen oder integrieren KI bereits in einzelne Arbeitsabläufe.
Die Zahlen aus der Studie des Börsenvereins zeigen sehr deutlich, wie schnell die Bedeutung dieser Technologie in der gesamten Branche wächst. Ich gehe davon aus, dass diese Entwicklung auch die konfessionellen Verlage weiter prägen wird. Entscheidend wird dabei nicht allein sein, wie viele Verlage KI einsetzen, sondern vor allem, wie sie es tun: mit fachlicher Kompetenz, einem klaren Bewusstsein für die Grenzen der Technologie und der Bereitschaft, die Verantwortung für die veröffentlichten Inhalte weiterhin selbst zu tragen.
Das Interview mit Stefan Eß, stellvertretender Vorsitzender des Katholischen Medienverbandes und Direktor des St. Michaelbundes, führte Christian Schnaubelt, Chefredakteur und Herausgeber der Portale explizit.net und kath.de.
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