USA: Angst vor dem Abstieg? Foto: explizit.net

Stephen Paddock: fragliche Motivsuche

Welches Motiv hatte er? Das wird immer noch gefragt. Was wäre gewonnen, wenn es ein solches gibt? Kann man dann den Vorfall "zu den Akten legen", weil er ausreichend bearbeitet ist. Ein Kommentar zur vergeblichen Suche nach einem Motiv. Das Land, nicht nur der Täter muss befragt werden.

Menschen hinzurichten, Landsleute, Liebhaber der amerikanischen Volksmusik: Welches Motiv  gäbe eine Erklärung her? Allenfalls die weltweite Medienresonanz. Die Suche nach dem Motiv sollt eingestellt werden. Denn ein Motiv würde die Hinrichtung von so vielen unschuldigen Menschen auf eine individuelle Störung reduzieren. Thomas Holtbernd hat das als zynisch bezeichnet, weil das Ausmaß des Massakers damit wegargumentiert würde. Es sind auch nicht einfach die USA. 2015 hat der Copilot einer German Wings Maschine 150 meist junge Menschen in den Tod geflogen. Es muss grundlegend etwas nicht stimmen.

Selbstmorde nehmen zu

Aus Notfallseelsorge kann man hören, dass die Seelsorger und Seelsorgerinnen hauptsächlich zu Selbstmordfällen gerufen werden. Während die Teams ursprünglich für den Einsatz bei Verkehrsunfällen gebildet wurden, werden sie heute weniger auf die Straßen und Autobahnen, sondern in die Wohnungen gerufen. Es sind meist Männer über 40, die sich verabschiedet haben. Das ist auch eine Ursache für Verspätungen bei der Bahn. Diese sind zwar oft Folge fehlender Wartung von Lokomotiven und Wagen, sondern auch von "Menschen auf den Gleisen". Es werden jährlich Tausend gezählt, das sind Drei am Tag. Man sollte Lokführern zuhören, die nach drei und mehr solchen Fällen nicht mehr schlafen können. Selbstmord dürfte bei Paddock wohl nicht das vorrangige Motiv gewesen sein, um andere Menschen mit in den Tod zu nehmen. Aber er hatte wohl keine weitere Lebensperspektive für die Zeit nach der Tat. Er brachte sich wie andere Attentäter um. Aber warum musste er sich bewaffnen mit Schusswaffen ausrüsten?

Die Amerikaner fühlen sich bedroht

Nicht erst seit dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 fühlen sich die Bürger der USA bedroht. Die kollektiven Ängste waren schon seit Jahrzehnten zu beobachten. Bereits An Halloween 1938 gab es eine fiktive Reportage von einem Überfall Außerirdischer auf die USA. Viele Menschen erkannten den fiktiven Charakter der Reportage nicht und sahen ihr Land aus dem Weltall angegriffen. Zwar ließ diese Verführung zur Angst spätere Medienerzeugnisse als Fiktion erkennen, das Genre wird jedoch bis heute bedient. Es lassen sich nicht alle Kinofilme aufzählen, die die Bedrohung inszeniert haben. Nicht nur der Weiße Hai oder die vielen Büchsenhelden, die weiße Siedler wahllos angegriffen haben, auch Außerirdische bedrohen weiter das Land. Der 11. September hat dann nur das Muster Wirklichkeit werden lassen, das Hollywood schon oftmals durchgespielt hatte. Offensichtlich reicht der Besitz von Atombomben, Raketen, Cruise Missiles, Drohnen und einer riesigen Flotte nicht, um den US-Bürgern das Maß an Sicherheit zu geben, das sie von dem enormen Waffenbesitz abhalten würde. Aber kann man das Massaker nur auf zu großzügige Gesetze zurückführen, die den Waffenbesitz schon bei Jugendlichen kaum einschränken?

Die Gründe für den Hass des Attentäters müssen wahrgenommen werden

Die untergründigen Kräfte, die Stephen Paddock zur minutiösen Planung seiner Tat, der Berechnung des Schusswinkels, der Installation von Kameras, den Reserven an Sprengstoff und Munition in seinem Auto brauchte, sollten nicht als Absonderlichkeiten eines Einzelgängers verharmlost werden. Wo hat er die Energie für die Tat wie für die logistischen Anstrengungen hergenommen? Kann man da nicht den Unwillen vieler seiner Mitbürger am Werke sehen, dem er sozusagen Ausdruck verliehen und diesen damit ein Ventil verschafft hat. Die US-Radioprogramme, die Hass predigen und die die nüchternen Informationsprogramme verdrängt haben. Der Riss zwischen den politischen Lagern, der Wahlkampf, der einen Mann an die Spitze gespült hat, der sich aufs Drohen, jedoch nicht aufs Vermitteln versteht. Sind die USA vielleicht von der Angst besetzt, dass sie den Höhepunkt ihrer wirtschaftlichen und militärischen Macht längst überschritten haben? Sie haben einen Präsidenten gewählt, der den weißen Amerikanern viel versprochen, das Land aber in die Irre führt? Wenn es so etwas wie das kollektive Unbewusste gibt, das sich nicht nur in Filmen eine Ausdrucksform sucht, dann passt Las Vegas in diese Gemengelage. Es bleibt aber die Frage, warum Paddock nicht äußere Feinde, sondern Menschen er selbst umgebracht hat?

Die Hinrichtung von Landsleuten bleibt ein Rätsel

Der Anflug auf das World Trade Center, das Attentat auf den Bostonmarathon oder das Konzert in Paris wurden von „Fremden“ verübt. Vor dem Angriff von außen, sogar aus dem Weltraum sind die US-Bürger gewarnt. Warum aber die Hinrichtung von Landsleuten? Es ist wie der für das Ende des Ramadan 2017 geplante Sprengstoffanschlag auf die Wallfahrer in Mekka. Er wurde von der Polizei vereitelt, war aber wohl von Muslimen vorbereitet. Anders Behring Breivik hat ebenso auf Landsleute geschossen, obwohl er Schweden vor der Islamisierung bewahren wollte. Hat Paddock seine Landsleute so gehasst? Der Frage muss nachgegangen werden, auch hier zulande. Denn auch wenn hier nicht so viele Schusswaffen in Umlauf sind, mit Sprengstoff kann man auch viele Landsleute umbringen.

Las Vegas sollte nicht als abgeschlossener Vorgang zu den Akten gelegt werden. In den Tiefenschichten westlicher wie muslimischer Gesellschaften hat sich offensichtlich ein solches Maß an Unzufriedenheit angesammelt, das aufgelöst werden muss, damit es nicht tödlich wird. Diese Aufgabe sollten die Bürger nicht einfach an die Politik delegieren, sondern sich den Fragen stellen. Die Religionsgemeinschaften, die Kirchen wie auch der Islam sollten sich herausgefordert fühlen. Vielleicht würde dann auch weniger Menschen die Selbsttötung als Ausweg wählen.


Kategorie: Medien

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