Foto: explizit.net

Trump als „Herr der Gezeiten“ am Zinsmarkt

Nachdem Donald Trump jetzt seit gut zwei Wochen „president elected“ ist, sind einige Punkte seiner Wirtschafts- und Finanzpolitik zu erkennen. Es zeichnet sich ein Finanzumfeld mit steigenden Zinsen in den USA ab. Unklar ist, wie weit dies auf die EU überschwappt und ob die EZB die Eurozone davor schützen kann

Nachdem Donald Trump jetzt seit gut zwei Wochen „president elected“ ist, sind einige Punkte seiner Wirtschafts- und Finanzpolitik zu erkennen. Es zeichnet sich ein Finanzumfeld mit steigenden Zinsen in den USA ab. Unklar ist, wie weit dies auf die EU überschwappt und ob die EZB die Eurozone davor schützen kann

Trump in der Spur der Wirtschaftspolitik Reagans?

Trumps Plan für die Wirtschaft ist keine Kopie der „Reagonomics“ der 80er, aber in einigen Punkten nimmt er „Anleihen“. Ähnlich wie unter Reagan sind massive Steuersenkungen in Aussicht gestellt. Ebenso wird das Staatsdefizit zumindest für einige Jahre deutlich anwachsen. Auch eine Steigerung der Ausgaben für Rüstung steht im Raum.

Abweichend davon plant Trump weitere massive Investitionen, die zu einem Großteil staatlich getragen werden. Ein großes Investitionsziel ist die Infrastruktur. Erste Abschätzungen der Investitionssummen sind 1000 oder 2000 Milliarden Dollar. Hört man Beratungsfirmen auf diesem Gebiet, so ist Infrastruktur hier weit gefasst, nicht nur Straßen, Bahnstrecken und Flughäfen. Was aber unter diesem weiteren Infrastrukturbegriff fällt, bleibt offen. Vielleicht ist Infrastruktur nicht nur für dieses Programm ein offener Begriff.

Die Zinsen und der Wechselkurs des Dollars

Deutliche Effekte am Finanzmarkt sind seit der Präsidentenwahl eingetreten. Die Rendite der US-Anleihen ist gestiegen, damit sind die Kurse der Anleihen also gesunken. So beträgt die Rendite auf 10-jährige US-Staatsanleihen 2,37% gegenüber denen in Deutschland von 0,23% p.a. Dies passt zum einen zu den Erwartungen, denn der Markt erwartet steigende Zinsen auf US- Staatsanleihen. So deutet die Zentralbank der USA seit ca. 1 Jahr an, ihre Zinsen zu erhöhen. Durch die Wahl Trumps und die angekündigten Investitionen in Infrastruktur und Rüstung erwartet der Markt eine höhere Staatsverschuldung und damit höhere Zinsen auf neu begebene US-Staatsanleihen

Die Finanztheorie nimmt bei liquiden Märkten in diesem Fall an, dass der Dollar unter Druck kommt. Das ist nicht geschehen, vielmehr ist der Dollar seit der Wahl gegenüber dem EUR deutlich gestiegen. Eine Erklärung dafür ist, dass massiv Kapital in die USA zurück fließt

Die Zinsen im EURO-Raum

Die Zinsen im EURO Raum sind damit unter Druck. Die EZB müsste sie erhöhen, will sie, dass ihr Kapitalmarkt zu dem der USA wettbewerbsfähig bleibt. Draghi hat Zinserhöhungen widersprochen. Im Gegenteil verspricht er, den EURO- Raum vor steigenden Zinsen zu schützen. Offensichtlich hält er niedrige Zinsen für den EURO-Raum notwendig, um die Wirtschaft und Staaten zu schützen. Aber auch er sieht, dass dies nur für einen begrenzten Zeitraum möglich ist.

Auch in Europa werden die Zinsen steigen

Die Zeit, die die EZB den Regierungen und der Wirtschaft im EURO-Raum durch geringe Kosten für Kredite erkauft hat, geht langsam zu Ende. Es gilt, für die Jahre eine Bilanz zu ziehen. Das Ergebnis ist durchwachsen. Eine gewisse Stabilisierung der Staatsfinanzen ist erfolgt und ein gewisses Wirtschaftswachstum wurde erreicht. Langfristige Assets, die wirtschaftliche Dynamik versprechen, wie eine bessere Infrastruktur oder wissenschaftliche-wirtschaftliche „Leuchtturmprojekte“ fehlen, auch weil die Staaten des EURO-Raums seit 2008 zu wenig investiert haben.



Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Zum Seitenanfang