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Fußball-WM: Fußball-Fragen für Experten - Letzte Folge

(explizit.net)Hat es das gegeben? Einen Fußballspieler, der Nationalspieler wurde, ein gefährlicher Torjäger war, zweimal deutscher Fußballmeister wurde und danach KZ-Kommandant?

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Ja, auch diesen Tiefpunkt hat der deutsche Fußballsport nicht ausgelassen. Otto „Tull“ Harder hieß er, der den Spitznamen „Tull“ bekam nach einem englischen Fußballer, dem er in Statue und Auftritt glich. Tull Harder war ein gefährlicher Mittelstürmer, der in 15 Länderspielen 14 Tore schoss. Fünfmal war er sogar Mannschaftskapitän der DFB-Auswahl. Mit dem Hamburger SV wurde er 1923 und 1928 zweimal deutscher Meister. Tull Harder war beliebt, er war ein Star seiner Zeit. Von ihm handelten sogar Schlager, die damals richtige Gossenhauer wurden. Sein Fußballleben war sogar Vorbild für einen Spielfilm.

(explizit.net)Hat es das gegeben? Einen Fußballspieler, der Nationalspieler wurde, ein gefährlicher Torjäger war, zweimal deutscher Fußballmeister wurde und danach KZ-Kommandant?

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Ja, auch diesen Tiefpunkt hat der deutsche Fußballsport nicht ausgelassen. Otto „Tull“ Harder hieß er, der den Spitznamen „Tull“ bekam nach einem englischen Fußballer, dem er in Statue und Auftritt glich. Tull Harder war ein gefährlicher Mittelstürmer, der in 15 Länderspielen 14 Tore schoss. Fünfmal war er sogar Mannschaftskapitän der DFB-Auswahl. Mit dem Hamburger SV wurde er 1923 und 1928 zweimal deutscher Meister. Tull Harder war beliebt, er war ein Star seiner Zeit. Von ihm handelten sogar Schlager, die damals richtige Gossenhauer wurden. Sein Fußballleben war sogar Vorbild für einen Spielfilm.

Schon 1932 trat er in die NSDAP ein, 1933 wurde er Mitglied der SS, die sich freute, einen so prominenten Mann in ihren Reihen zu wissen. Anfangs wurde, ohne groß etwas tun zu müssen, immer nur vorgeführt, aber mit Kriegsverlauf wurde dann auch Tull Harder zum SS-Dienst herangezogen. Zuerst gehörte er zur Wachmannschaft des KZs Neuengamme, später wurde er als SS-Hauptscharführer Kommandant des Außenlagers Hannover-Ahlem. Direkt gemordet wurde in seinem Lager wohl nicht, die kranken und arbeitsuntauglichen KZ-Insassen wurden zur Ermordung ins Hauptlager geschickt.

1947 wurde er als Kriegsverbrecher zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, eine Strafe, die später auf zehn Jahre reduziert wurde. Tull Harder stand wohl kurz vor dem Todesurteil, weil er sich vor Gericht völlig uneinsichtig zeigte und die Verbrecher der Nazis auch noch verteidigte. Schon Weihnachten 1951 wurde er aus dem Gefängnis entlassen. Der HSV schloss Tull Harder vorübergehend als Mitglied aus, als er aber 1956 starb, kamen doch viele HSV-Verantwortliche und ehemalige Spieler zur Beerdigung. Ein Jahr vorher starb übrigens sein Mannschaftskollege Asbjörn Halverson, mit dem zusammen Harder 1923 die deutsche Meisterschaft gewann. Halverson war norwegischer Nationalspieler, gewann bei Olympia eine Bronzemedaille und gehörte zum norwegischen Widerstand, als die Nazis sein Land besetzten. Er wurde gefangen genommen und ins KZ Neuengamme gesperrt. Ob der Aufseher Tull Harder den KZ-Insassen Halverson getroffen hat, ist nicht bekannt. Mehr tot als lebend, an Typhus erkrankt und nur noch 40 Kilo wiegend, wurde Halverson bei Kriegsende aus dem KZ befreit. Von den Folgen hat er sich nie ganz erholt. 1955 ist er gestorben.

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<emphasize>Heinrich Peuckmann</emphasize>



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