EZB - wo Geld gedruckt wird

Die Niedrigzinspolitik der EZB

Die Politik niedriger Zinsen der EZB ist umstritten, besonders in Deutschland. Ein Standardargument – selbst am Montag von Gregor Gysi in der Bundestagsdebatte vorgebracht – dass die Sparer keinen anständigen Zinsen mehr bekommen. Oder sie wird noch ausführlicher kritisiert durch einen Artikel der Jenaer Allianz für soziale Marktwirtschaft in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 31.7.2015 bzw. auf der

 

Dort wird auch von wirtschaftlichen Verzerrungen durch die Niedrigzinspolitik der EZB gesprochen bei den Versicherern, den Klein- Mittelständlern, dem Entstehen und Überleben verschiedener Branchen usw., usw. Das mögen alles Effekt sein, aber eigentlich ist selbst die jetzige Niedrigzinsphase eine volkswirtschaftlich normalere und gesündere Situation als vieles der Vergangenheit.

Die Politik niedriger Zinsen der EZB ist umstritten, besonders in Deutschland. Ein Standardargument – selbst am Montag von Gregor Gysi in der Bundestagsdebatte vorgebracht – dass die Sparer keinen anständigen Zinsen mehr bekommen. Oder sie wird noch ausführlicher kritisiert durch einen Artikel der Jenaer Allianz für soziale Marktwirtschaft in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 31.7.2015 bzw. auf der

 

Dort wird auch von wirtschaftlichen Verzerrungen durch die Niedrigzinspolitik der EZB gesprochen bei den Versicherern, den Klein- Mittelständlern, dem Entstehen und Überleben verschiedener Branchen usw., usw. Das mögen alles Effekt sein, aber eigentlich ist selbst die jetzige Niedrigzinsphase eine volkswirtschaftlich normalere und gesündere Situation als vieles der Vergangenheit.</p> <h2>Die Maßnahmen der EZB entlasten die staatlichen Haushalte</h2> <h2> </h2> <p>Die EZB hat verschiedene Maßnahmen in den letzten Jahren v.a. unter Mario Draghi ergriffen, die in die Richtung eines quantitativen Easing wie bei der FED gehen: Sie hat die Zinssätze gesenkt. Die Zinsen der Einlagenfacilität sind negativ und der Zinssatz der Hauptfinanzierung für Banken ist bei 0,05% p.a. Sie hat ein großes Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen in Höhe von 60 Mrd. pro Monat aufgeführt.</p> <p> Dies führt dazu, dass die Zinsen für deutsche Staatsanleihen wie auch für weitere der Eurozone deutlich gesunken sind. So ist der Wert für den Euro Bund Future aktuell bei 155. Dieser bildet eine Anleihe der Bundesrepublik Deutschland mit einer Laufzeit von 10 Jahren und 6% Zins ab. D.h. wäre der Wert bei 100 würden Staatsanleihen am Markt 6% erlösen. Umgekehrt zeigt ein Wert von 155 einen Zins von ca. 0,6% p.a. an für eine Laufzeit von 10 Jahren. Dieser Wert ist sehr niedrig, so dass sie Zinslast für die Bundesrepublik sehr niedrig ist. In Folge dieses niedrigen Zinses sanken auch die Zinsen für Verbraucher- und Unternehmenskredite.</p> <h2>Die Risiko-Berechnung für den Kreditausfall</h2> <h2> </h2> <p>Die Zinsen für Staatsanleihen, und nicht nur für diese lassen sich in einen Risikoteil für den Ausfall des Schuldners und einen Zins für den risikolosen Zins aufteilen. Über den Zins für den möglichen Ausfall des Schuldners, gleichsam eine Versicherungsprämie, gibt es verschiedene Modelle, beginnend mit dem Merton-Modell. Solche Modelle sind auch den Ratingsystemen von S, Moodys etc. unterlegt. </p> <p> Das Ausfallrisiko von Staatsanleihen hat nun aber im Gegensatz zu dem von Anleihen von Unternehmensanleihen insbesondere bei Währungen wie dem Dollar oder dem Euro auch eine politische Komponente. Etwas forsch gesagt, kann der Euro- Raum Geld drucken. Damit wäre der Zins für den Ausfall sehr niedrig anzusetzen im Gegensatz zu dem von Unternehmen. Übrig bliebe dann nur der Zins für den risikolosen Anteil und ob der nennenswert über Null sein muss, wäre zu fragen.</p> <p> Bei den Unternehmensanleihen gibt es eine Aufteilung gemäß der Verschuldung und Leistungskraft und mit den entsprechenden Zuschlägen für das Risiko, bezeichnet nach den Investmentgraden bis zu „high-yield“ oder „junk bonds“. </p> <p> Es bleibt aber: Ein Zustand wie in den 90ern des 20 Jh., als Zinsen im hohen einstelligen % Bereich für deutsche Staatsanleihen gezahlt wurden, sind nicht der Normalfall. Sie sind eher als Bevorzugung dieser Investmentart zu betrachten. Anders ausgedrückt: Die Zinsprämie für das wenige Risiko wurde sehr hoch bewertet.</p> <h2>Die Anleihen in den Versicherungen und in den Rückstellungen</h2> <h2> </h2> <p>Getrieben durch Veranlagungsvorschriften, aber auch durch hohe Zinsen in der Vergangenheit, haben die deutschen Versicherer vorzugsweise in Anleihen und dort vor allem in Staatsanleihen angelegt. Typische weitere Anlagen waren Immobilien. Der Anteil der Anlage in Aktien hingegen liegt im niedrigen einstelligen Bereich. Die Verzahnung der Anlagevorschriften mit dem Geschäftsmodell geht sogar noch weiter. So dürfen die Versicherer eine Mindestverzinsung garantieren. Allerdings betrifft dies nur den Sparanteil, nicht die meist sehr hohen Provisionen beim Abschluss einer Versicherungen, der sich nach der Rendite der Staatsanleihen richtet.</p> <h2> </h2> <p>Auch die Bewertung der Rückstellungen eines Unternehmens geschieht durch Abzinsung mit der Rendite hochwertiger Anleihen gemäß den internationalen Bewertungsvorschriften IFRS. Die Abzinsung in der Steuerbilanz geschieht mit 6% p.a. Dieser Wert ist in den Steuergesetzen festgelegt, unabhängig vom wirtschaftlichen Hintergrund und den Marktzinsen. Der Wert der Rückstellung ist damit umso höher, je niedriger dieser Zins.</p> <h2> </h2> <p>Der Zinssatz hat somit Auswirkungen auf Geschäftsmodelle und Bilanzierungen und manch anderes.</p> <h2> </h2> <p>Aber auch die Konzepte der Abzinsung mit dem Marktzins sind umstritten wie Diskussionen innerhalb der Regelwerke Solvency II oder IFRS zeigen.</p> <h2>Fazit:NiedrigeZinsen bringen die größeren Vorteile, Nachsteuerung ist notwendig</h2> <h2> </h2> <p>Will man Kritik an der Politik des Niedrigzinses der EZB bewerten, so muss man folgende Frage beantworten: Ist Wirtschaftswachstum oder die bisherige Struktur der Finanzwirtschaft wichtiger? Eine Niedrigzinspolitik verringert die Rendite von Lebensversicherungen, verteuert Pensionsrückstellungen etc.</p> <p> Aber die meisten dieser Probleme lassen sich auch durch Änderungen von Bewertungsvorschriften oder Anpassung von Lebensversicherungen an die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen adaptieren. Solche Eingriffe sind nicht neu, sie haben immer stattgefunden. Beispiele wären die Änderungen in der Steuerbegünstigung von Lebensversicherungen, Riesterrenten etc. Es hat also immer diese Verzerrungen und staatliche n Eingriffe gegeben. Jetzt gibt es eine zwangsläufige Bevorzugung anderer Investorengruppen als früher, aber nicht mehr. </p> <p> Volkswirtschaftlich kann sich kein Staat des Euroraums hohe Zinsen leisten, wegen des immer noch schwachen Wirtschaftswachstums und der hohen Staatsverschuldungen. Somit ist diese Zinspolitik Mario Draghis um mit der Kanzlerin zu sprechen alternativlos; um die Auswirkungen muss man sich an anderer Stelle kümmern.</p> <p>LiteraturhinweisMerton, Robert C. </p> <p>

<p> Journal of Finance 29, no. 2 (May 1974): 449–470. (Chapter 12 in Continuous-Time Finance.)</p> <p>Ullrich Spreitzer</p>


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