Foto: Christian Schnaubelt / kath.de

Kommentar: "Hab Mut, steh auf!"

Unter diesem Motto stand der 104. Deutsche Katholikentag in dieser Woche in Würzburg. Das mit rund 74.000 Teilnehmer:innen und Besucher:innen wieder deutlich größere Katholik:innen-Treffen hat den positiven Trend vom Katholikentag in Erfurt fortgesetzt und war durch eine deutlich positivere und hoffnungsvollere Stimmung geprägt. Ein Kommentar von Chefredakteur und Herausgeber Christian Schnaubelt.

Die Ausgangslage vor dem Katholikentag 2026 war „angespannt“. Bei der ZdK-Vollversammlung, die am 12./13. Mai aus Anlass des Katholikentages zuvor in Würzburg tagte, war die Ungeduld, mit der Lai:innen und Verbände auf Reformen in der katholischen Kirche setzen, deutlich spürbar. Aber anders als zuvor war auch eine Hoffnung spürbar, dass unter Papst Leo XIV. die unter seinem Vorgänger Papst Franziskus benannte Ablehnung des „Synodalen Weges“ in Deutschland durch Dialog mit dem Vatikan abgewandelt werden kann. Das Katholikentagsmotto „Hab Mut, steh auf!“ wirkte als Antrieb.

Und noch eins war in Würzburg spürbar: Während bei den Katholikentagen in Stuttgart und in Erfurt die Blicke vor allem „nach innen“ auf die Reformen in der katholischen Kirche gerichtet waren, war beim Katholikentag 2026 der Blick wieder mehr „nach außen“ in die Gesellschaft gerichtet. Trotzdem wurden in Würzburg die großen innerkirchlichen Themen (Missbrauch, Synodaler Weg, Frauendiakonat) nicht ausgeklammert, aber sie standen nicht mehr so stark im Fokus bzw. ließen genügend Raum für weitere Themen.  

Trend: Der Katholikentag wird politischer, spiritueller und ökumenischer

Nachdem der „Tanker“-Katholikentag in Stuttgart – inhaltlich, strukturell und stimmungstechnisch – auf Grund gelaufen war, gab es beim Katholikentag in Erfurt einen „Neustart“. Mit einem kleineren und flexibleren Boot (nur 500 Veranstaltungen und kurzen Wegen). Der Versuch war erfolgreich (Lesetipp: https://www.kath.de/kommentar/2024-06-22-der-ruf-nach-oekumene-wird-lauter), und auch wenn das Boot jetzt beim Katholikentag in Würzburg wieder größer war (900 Veranstaltungen), ist das Konzept des Katholik:innen-Treffens aufgegangen: politischer, spiritueller und ökumenischer.

Und vielleicht noch wichtiger als die politischen Signale in Richtung Kirche und Gesellschaft, die beim Katholikentag 2026 gesetzt wurden, war der Stimmungswechsel. Egal, wen man in Würzburg sprach, überall wurde die entspannte und hoffnungsvolle Stimmung betont. Das lag nicht daran, dass im Programm des Katholikentages die strittigen Themen oder die streitbaren Diskutant:innen fehlten (im Gegenteil!), sondern an einem Mentalitätswandel, den das Katholikentagsmotto „Hab Mut, steh auf!“ perfekt ausdrückte. Auch wenn die Herausforderungen weiter groß sind, so war in Würzburg dennoch der Wunsch, dass man diese gemeinsam angehen kann: sowohl bei den Bischöfen (DBK), den Lai:innen und den Verbänden (ZdK) als auch bei den Besucher:innen. Und auch auf der Kirchenmeile, die erstmals 300 Stände umfasste, standen „Reformer:innen“ und „Bewahrer:innen“ friedlich nebeneinander. Auch dies ist ein Fortschritt.

Wenn sich dieser Wunsch in Realität manifestieren sollte, wäre dies ein großer Fortschritt für die katholische Kirche in Deutschland, die den vorherigen „Gegenwind“ aus dem Vatikan in einen „Rückenwind“ drehen will. Die Teilnahme und die Worte von Mario Kardinal Grech in Würzburg zeigten, dass der Vatikan das Bemühen von DBK und ZdK nach einem „einvernehmlichen Weg mit Rom“ honoriert. Aber zugleich wurde in den letzten Tagen auch deutlich: Es wird noch viel Geduld nötig sein, vor allem in Deutschland. Aber wenn der intensive Dialog mit dem Vatikan anhält, kann es mit dem „Gemeinsamen Rat“ funktionieren. Wenn auch nicht im November 2026, dann im April 2027.

Fazit: Der Katholikentag ist wieder auf Kurs

Der nächste Katholikentag wird 2028 in Paderborn stattfinden und hat durch die Entwicklungen bei den Katholikentagen in Erfurt und Würzburg deutlich „Rückenwind“ bekommen. Und der Stellenwert des bisher alle zwei Jahre stattfindenden Events ist – sowohl kirchenintern als auch in der Politik und in den Medien – gestiegen. Es ist wieder von Interesse, wenn sich Katholik:innen (die sich in den letzten Jahren mehr mit Kirchenthemen als mit gesellschaftlichen Themen beschäftigt haben) zu Wort melden. So wie beim Abschlussgottesdienst, bei dem ein starkes politisches Zeichen gegen Antisemitismus in Deutschland gesetzt wurde (gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden).

Dies ist vielleicht ein weiteres Zeichen für die Zukunft: die stärkere Zusammenarbeit der Kirchen. Vielleicht wird im Jahr 2030 die Zeit für den nächsten ökumenischen Kirchentag reif sein. In den Tagen in Würzburg war der Ruf danach wieder deutlich lauter geworden. Es mangelt nicht am Willen, aber an Ideen, den „gordischen Knoten“ zu zerschlagen. Aber vielleicht werden im nächsten Jahr beim Evangelischen Kirchentag 2027 in Düsseldorf und dann 2028 beim Katholikentag in Paderborn weitere Schritte zur Ökumene folgen. Die Zeit für ein nächstes ökumenisches Kirchentreffen ist auf jeden Fall „reif“. Und auch hier passt das Motto des Katholikentages 2026 wieder: „Hab Mut, steh auf!“

Christian Schnaubelt
(Chefredakteur und Herausgeber von explizit.net und kath.de)

Hinsweis: In den Portalen explizit.net und kath.de werden weitere Artikel zum Katholikentag 2026 in Würzburg erscheinen, den beide Portale vom 11.-17. Mai vor Ort begleitet haben. 


Kategorie: Kirche

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