© Natis - Fotolia.com

Monarchisch trotz demokratisch

In der letzten Woche hat der spanische König Juan Carlos zugunsten seines Sohnes Felipe abgedankt. Neben einer umfangreichen Berichterstattung über das Leben des alten und des zukünftigen Königs philosophierten die Medien auch intensiv über den Zweck und die Zukunftsfähigkeit der Monarchie in Spanien. Dabei fallen einige Punkte auf, die zeigen, wie umstritten und doch bewegend das Königtum im demokratischen Europa ist.

In der letzten Woche hat der spanische König Juan Carlos zugunsten seines Sohnes Felipe abgedankt. Neben einer umfangreichen Berichterstattung über das Leben des alten und des zukünftigen Königs philosophierten die Medien auch intensiv über den Zweck und die Zukunftsfähigkeit der Monarchie in Spanien. Dabei fallen einige Punkte auf, die zeigen, wie umstritten und doch bewegend das Königtum im demokratischen Europa ist.

Immer wieder wurde in den Beiträgen zum Rücktritt von Juan Carlos die Frage gestellt, ob die Monarchie in Spanien nach den Skandalen und Affären der letzten Jahre noch überlebensfähig sei und ob der neue König Felipe ihr neues Leben einhauchen könne.

Monarchien sind anfälliger

Das diese Frage ernsthaft gestellt wird, ist bei einer staatlichen Institution in einem demokratischen Staat erstaunlich. Man stelle sich vor, aufgrund von Fehlern eines demokratischen Präsidenten werde das Präsidentenamt in Frage gestellt. Wenn ein demokratischer Amtsinhaber einen Fehler macht, dann soll er gehen, wenn ein Monarch einen Fehler macht, dann wankt die ganze Institution. Zugleich sind aber auch die Stimmen zahlreich, die der Monarchie in vielen Fällen ein hohes Leistungsvermögen und eine große Bedeutung zusprechen. Gerade in Monarchien wird häufiger über den Monarchen berichtet, als das bei einem gewählten Präsidenten mit ähnlichen Machtbefugnissen der Fall wäre.

Monarchien erregen Unglauben und Faszination

Das Interesse an Monarchen wird durch die Mischung von Unglauben und Faszination deutlich, mit der man in einer demokratischen Gesellschaft dem Anachronismus Monarchie begegnet. Zum einen ragt das Königtum in unsere modernen Demokratien hinein, aus einer Zeit kommend, in der noch nicht Leistung und Volkeswille, sondern Abstammung und Gottesgnadentum Gesellschaft und Politik bestimmten. Zugleich repräsentiert das Königtum die Wünsche der Menschen, die eben nicht egalitäre Monaden oder bloßer Teil einer Masse sein wollen, sondern besonders, einzigartig und mit einer übergreifenden Identität ausgestattet. Auch in Demokratien werden so die Staatsspitzen, oft mehr schlecht als recht, zu Projektionsflächen dieser Sehnsüchte. Nicht umsonst nennt man die nüchterndste aller deutschen Regierungschefs, die Physikerin Angela Merkel, hoffnungsvoll Mutti und philosophierte über das Glamourpaar Wulf mit Bobby-Car im Schloss Bellevue.

Wohltuende Stabilität

Doch diese Bemühungen um einen Ersatz-Monarchen müssen langfristig scheitern. Die Kanzlerin muss in den Wahlkampf, ob sie will, oder nicht, der Präsident tritt ab, und mit ihm rollt das Bobby-Car davon. So hängen viele, besonders in den Vereinigten Staaten, an Filmstars und Musikgrößen. Deren Mangel an Kontinuität macht man dann durch Hypes wett. Wie wohltuend wirken da die europäischen Monarchen, die, mit ewiger Star-Garantie ausgestattet, das Wachsen, Werden und Vergehen des Menschenlebens, also das Normale schlechthin, in Glanz und Gloria begehen.

Zeitlose Werte

Monarchien repräsentieren also vor allem Werte und Wünsche, die eigentlich in einer Demokratie nicht zu suchen haben. Deswegen werden sie oft kritisch beäugt und für unmodern gehalten. Die Vorstellungen, die mit ihnen verbunden werden, sind indes zumeist zeitlos. Es ist die Erfahrung der Familie, der bedingungslosen Zugehörigkeit, der Wunsch nach Bekanntheit und die Hoffnung auf Repräsentanten, die ein wenig Schöner und Besser sind als man selber. Diese Wünsche und Vorstellungen sind das Kapital der Könige und Königinnen, das ihnen die gewählten Republikaner neiden, manchmal nehmen, aber nie wirklich übernehmen können. Gelingt es Felipe VI. dieses Kapital einzusetzen und zu vermehren, wird auch weiterhin das spanische Königtum mit, in und neben der Demokratie existieren und sie bereichern.

<emphasize>Maximilian Röll</emphasize>



Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Zum Seitenanfang