Die Allianz: Verdrängung von Konkurrenten?

Was wird aus den Versicherungen? Wegen der Niedrigzinsen sind sie in großen Schwierigkeiten, die eingezahlten Beiträge so anzulegen, dass sie, z.B. die Lebensversicherung, in der versprochen Höhe auch auszahlen können.

Aktueller Börsenwert der Allianz und Besonderheiten

Die Allianz ist aktuell, gemessen nach Beitragseinnahmen, der größte Versicherer der Welt. Der Aktienkurs hat sich auf ca. 160 EUR deutlich erholt. Gleichwohl ist er weit von den historischen Werten von 400 EUR entfernt, die Ende des letzten Jahrtausends entfernt für eine Aktie gezahlt wurden. Auffallend ist, dass die Allianz relativ hohe Dividende zahlt in den letzten und auch in diesem Jahr und gleichzeitig ein Aktienrückkaufprogramm plant. Solche Aktionen gelten in der Finanzwelt oft als Warteschleifen des Managements, das neue Ideen und Geschäftszweige sucht, aber noch nicht gefunden hat.

Die Symbiose der Allianz mit der Politik

Kein Unternehmen hatte eine solche Bedeutung und Einfluss auf die deutsche Politik und keines erhielt so viele Hilfen durch die Gesetzgebung, um seine Geschäftstätigkeit zu unterstützten. Die Allianz ihrerseits stabilisierte durch ihre originäre Versicherungstätigkeit die Wirtschaft wie auch die Gesellschaft der alten Bundesrepublik. Sie legte viele der Beitragseinnahme langfristig in fast allen großen Unternehmen des Landes an. Sie war mit ihrer hohen Professionalität in den Aufsichtsräten vertreten, kontrollierte und disziplinierte manche Unternehmensführung. Auch verhinderte sie manche Übernahme eines Unternehmens, wenn das nicht im Interesse der Bundesrepublik lag. Ein nicht ganz so altes Beispiel dafür wäre der Verkauf ihrer Beteiligung an der Beiersdorf AG.

Umgekehrt stützte die Politik massiv die Allianz und deren Geschäftsbetrieb. Steuerfreiheit bzw.-reduktion oder sogar die Fortzahlung der Beiträge in Zeiten des Wehr-oder Zivildienstes stützten das Geschäft der Lebensversicherung. Dies sogar bei Kunden, die wegen Ihres geringen Einkommens dieses sehr provisions-teure Produkt sich gar nicht leisten konnten.

Einstieg in die betriebliche Altersvorsorge

Die Regierung Schröder änderte die Gesetzgebung der betrieblichen Altersversorgung. Damit wurde die Finanzierung weg von den Rückstellungen im Betrieb hin zu Pensionsfonds oder Lebensversicherungen massiv gefördert. Das kam der Allianz zugute. Tariflösungen, wie die Metallrente, deren Ausschreibung die Allianz gewann, brachten neues Geschäft. Ein weiteres Beispiel ist der Verkauf der Dresdner Bank, an der die Allianz die Mehrheit hielt, an die Commerzbank. Dieser trieb die Commerzbank fast in die Insolvenz, nahm dafür dem Konkurrenten Generali einen wichtigen Vertriebszweig weg und befreite die Allianz von riesigen Lasten. Die Regierung Merkel sicherte mit direkten Aktienkäufen und mittels europäischen Stabilitätshilfen dann das Überleben der Commerzbank.

Eine Symbiose zwischen Politik und Allianz bildeten die Mikroversicherungen, die die Allianz mit “Unterstützung” der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, GIZ, auch als Beispiel für Entwicklungsarbeit z.B. in Indien millionenfach vertrieb.

Die Aktuelle Geschäftssituation im Niedrigzinsumfeld

Das Hauptgeschäft der Allianz, die Lebensversicherung, braucht eine gute Verzinsung der eingezahlten Beiträge, auch um die hohen Kosten des Produkts zu rechtfertigen. Im aktuellen Umfeld niedriger Zinsen für Anleihen, in denen vorrangig die Versicherer das Geld ihrer Kunden anlegen, ist dies schwierig. Würde die Versicherung mehr Geld in den renditestärke Aktien anlegen, wäre sie im gesetzlichen Regelungswerk Solceny II gezwungen, mehr eigenes Kapital dagegen setzen. Stille Reserven - die Allianz SE hat sicher mehr als viele der Konkurrenten – helfen eine gewisse Zeit, eine gute Verzinsung zu erzielen, aber nicht auf lange Sicht. Durch die Finanzpolitik d EZB veranlasst - in Anleihen investiert mit Laufzeiten, die viel kürzer sind als die Laufzeiten ihrer Verpflichtungen. Dieses sog. Duration-Gap wird zum Problem, wenn wie jetzt absehbar, die Zinsen wieder steigen werden.

Die extrem hohen Kosten der Lebensversicherung sind weiter ein Thema. Die Abschlusskosten für die gesamte Vertragslaufzeit werden nämlich vorrangig bedient. Abschlussprämien mussten reduziert werden. Aber jetzt sind interne Kosten der Finanzanlagen und “dirty fees” also Rabatte an die Versicherer ein Thema

Strategie des Geschäfts

Der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Oliver Bäte, deutet die Übernahme von Konkurrenten an. Die dabei konnotierten Konkurrenten, wie Generali, AXA oder Zürich sind ähnlich groß wie die Allianz. Sie sind geographisch und bei den Produkten mit anderen Schwerpunkten, aber dennoch globale “Komplettversicherer”. Zudem spielen sie in ihren Ländern eine ähnliche wichtige Rolle hinsichtlich des nationalen “Finanzchampions” wie die Allianz. Gleichwohl scheint die Allianz einen der Konkurrenten übernehmen zu wollen. Mit der Intesa Sao Paolo versucht sie offensichtlich eine feindliche Übernahme der Generali.

Fazit: Die Zukunft des Lebensversicherungsgeschäftes

Zumindest aus Sicht der Allianz scheint der Versicherungsmarkt ein abgeschlossener, reifer und wenig wachsender Markt zu sein. In solchen Märkten ist oft die Übernahme von Konkurrenten die einzige Wahl, um zu wachsen.

Zurückblickend auf die Geschichte, die Allianz hatte schon bessere und innovativere Zeiten. Will man das Geschäft der Lebensversicherung wieder stärker beleben, muss man bei den Gebühren, Abschlusskosten erheblich senken. Im Moment werden sie wegen der Steuerbegünstigung verkauft, aber nicht wegen der Rendite des originären Produkts. Zum Vergleich, die Anbieter von Investmentfonds haben kostengünstige Produkte entwickelt.

Uli Spreitzer


Kategorie: Wirtschaft

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